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Pflanzenschutz

Sikkation

Auch: desiccation, Vorerntebehandlung, Krautabtötung

Sikkation ist das gezielte Abtöten des Bestandes vor der Ernte, um die Abreife zu vereinheitlichen und den Drusch zu erleichtern. In Deutschland ist sie im Getreide praktisch bedeutungslos, bei Kartoffeln dagegen unverzichtbar.

Sikkation — von lateinisch *desiccare* (austrocknen) — ist die gezielte Abtötung des Bestandes vor der Ernte. Ziel ist es, die Abreife zu vereinheitlichen, den Feuchtegehalt zu senken und den Drusch beziehungsweise die Rodung zu erleichtern.

Wozu Sikkation dient:

  1. Vereinheitlichung der Abreife — Bestände reifen ungleichmäßig ab, etwa Raps zwischen Haupttrieb und Seitentrieben
  2. Senkung der Kornfeuchte und damit der Trocknungskosten
  3. Erleichterung des Drusches — trockenes Material läuft besser durch den Mähdrescher, mit weniger Verlusten
  4. Krautabtötung bei Kartoffeln — Voraussetzung für eine schalenfeste Knolle und Schutz vor der Übertragung der Krautfäule auf die Knollen
  5. Miterfassung durchgewachsener Unkräuter

Verfügbare Wirkstoffe und ihr Status:

  • Diquat — jahrzehntelang der Standard bei Kartoffeln, in der EU seit 2019 nicht mehr genehmigt. Sein Wegfall hat die Krautabtötung grundlegend verändert
  • Glufosinat — in der EU seit 2018 nicht mehr genehmigt
  • Carfentrazone-ethyl und Pyraflufen-ethyl — PPO-Hemmer, die heute die chemische Krautabtötung bei Kartoffeln tragen; sie wirken rein über den Kontakt und benötigen daher gute Benetzung und meist zwei Überfahrten
  • Pelargonsäure — natürlicher Kontaktwirkstoff, auch im Ökolandbau nutzbar, hoher Wasseraufwand und hohe Kosten
  • Glyphosat — bis 15. 12. 2033 genehmigt, aber seit der Erneuerung durch die Durchführungsverordnung (EU) 2023/2660 (gültig ab 16. 12. 2023) dürfen Anwendungen zur Sikkation, also zur Steuerung des Erntezeitpunkts oder zur Optimierung des Drusches, nicht mehr zugelassen werden; eine Vorerntebehandlung gegen ausdauernde Unkräuter ist nur möglich, wo die Zulassung sie ausdrücklich vorsieht (siehe unten)

Warum Sikkation im deutschen Getreide praktisch keine Rolle spielt:

Anders als in Nordamerika oder Teilen Osteuropas ist die Vorerntebehandlung von Getreide mit Glyphosat hierzulande kein Standard. Die Anwendung von Glyphosat ist in Deutschland durch die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung stark eingeschränkt — unter anderem in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Flächen sowie in Wasserschutz- und Naturschutzgebieten — und die Vorerntebehandlung ist nur in eng umgrenzten Ausnahmefällen zulässig. Entscheidend ist daneben der Markt: Mühlen, Mälzereien und der Handel schließen Getreide aus sikkierten Beständen in ihren Lieferbedingungen regelmäßig aus. Wer Backweizen oder Braugerste vermarktet, kann es sich schlicht nicht leisten. Die Abreife wird stattdessen über Sortenwahl, Saattermin und Bestandesführung gesteuert.

Kartoffeln — der eigentliche Anwendungsfall:

Die Krautabtötung erfolgt zwei bis drei Wochen vor der Rodung. Sie ist notwendig, damit die Schale abhärtet, die Knollen beim Roden nicht beschädigt werden und der Erreger der Kraut- und Braunfäule nicht vom absterbenden Kraut in die Knollen wandert. Nach dem Wegfall von Diquat hat sich ein kombiniertes Verfahren durchgesetzt:

  1. Mechanisches Krautschlagen mit dem Krautschläger als erster Schritt
  2. Chemische Nachbehandlung mit einem PPO-Hemmer gegen Wiederaustrieb und gegen die Stängelreste
  3. Alternativ elektrische Krautabtötung — Verfahren wie XPower arbeiten mit Hochspannung und sind auch im Ökolandbau zugelassen; hoher Anschaffungspreis, geringe Flächenleistung, aber kein Wirkstoffeintrag
  4. Rein mechanische Verfahren mit Krautschlägen und Krautziehen im Ökolandbau

Die Krautabtötung ist damit deutlich teurer und aufwendiger geworden als in der Diquat-Ära — als Richtwert 60 bis 130 €/ha statt früher rund 25 €/ha.

Raps: In Mitteleuropa wird Raps meist ohne Sikkation gedroschen. Gegen Schotenplatzen setzt die Praxis stattdessen auf Schotenversiegelungsmittel auf Basis von Klebstoffen oder auf Seitenmesser am Schneidwerk und ein Rapsschneidwerk mit verlängertem Tisch. Wo doch behandelt wird, geschieht das im Stadium BBCH 85 bis 87.

Sonnenblume, Körnerleguminosen, Lein: Hier ist eine ungleichmäßige Abreife typisch und eine Vorerntebehandlung fachlich am ehesten begründbar — die verfügbaren Zulassungen sind allerdings eng und je nach Kultur und Land unterschiedlich.

Rechtlicher Hinweis: Zulassungen für die Vorerntebehandlung sind kulturspezifisch und national und ändern sich häufig. Verbindlich sind allein das Zulassungsregister des BVL beziehungsweise des BAES und die Gebrauchsanleitung des Mittels; hinzu kommen Wartezeiten und die Rückstandshöchstgehalte. Bei Vertragsware entscheiden zusätzlich die Lieferbedingungen des Abnehmers.

Siehe auch Herbizide, Glyphosat (Roundup), Silomais, Winterraps.

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