Kraut- und Knollenfäule
Die Kraut- und Knollenfäule ist die wichtigste Kartoffelkrankheit weltweit — sie kann einen Bestand innerhalb von zwei Wochen vernichten.
Erreger ist *Phytophthora infestans*, biologisch kein echter Pilz, sondern ein Oomycet — verwandt mit Algen. Das ist keine Spitzfindigkeit: Es erklärt, warum viele Fungizide gegen ihn wirkungslos sind und eigene Wirkstoffgruppen nötig sind.
Historisch löste der Erreger ab 1845 die Große Hungersnot in Irland aus, in deren Folge über eine Million Menschen starben und ebenso viele auswanderten. Auch Mitteleuropa traf die Epidemie schwer; sie ist einer der Gründe für die Agrarkrisen der 1840er-Jahre.
Das Schadbild: graugrüne, später braunschwarze Flecken auf den Blättern, an deren Unterseite sich bei Feuchtigkeit ein weißer Sporenrasen zeigt. Der Bestand riecht charakteristisch faulig. An den Knollen entstehen eingesunkene, bleigraue Stellen mit rostbrauner Verfärbung im Inneren.
Warum es so schnell geht: Bei feucht-milder Witterung um 15 bis 20 °C dauert ein Zyklus nur vier bis sieben Tage, und eine einzige befallene Pflanze setzt Millionen Sporen frei. Aus einem unauffälligen Herd wird binnen zwei Wochen ein vernichteter Schlag.
Die Bekämpfung ist konsequent vorbeugend. Kurativ ist praktisch nichts zu erreichen. In der Praxis heißt das:
- Prognosemodelle wie SIMPHYT und ISIP bestimmen den Spritzstart und die Abstände; behandelt wird nach Infektionsdruck, nicht nach Kalender
- Sieben bis zwölf Behandlungen je Saison sind in feuchten Jahren normal, mit Abständen von sieben bis zehn Tagen
- Wirkstoffwechsel ist zwingend — gegen Phenylamide bestehen seit den 1980er-Jahren verbreitete Resistenzen
- Im Ökolandbau steht allein Kupfer zur Verfügung, begrenzt auf 4 kg/ha und Jahr; das reicht in schweren Jahren nicht, weshalb der Ökokartoffelbau erhebliche Ertragsrisiken trägt
Ackerbaulich zählen gesundes Pflanzgut, das Beseitigen von Abfallhaufen als wichtigster Primärinfektionsquelle, weite Reihen und luftige Lagen für rasches Abtrocknen, das Entfernen von Durchwuchskartoffeln und eine rechtzeitige Krautabtötung, damit der Erreger nicht vom sterbenden Kraut in die Knollen wandert — siehe Sikkation.