Erdapfel
Erdapfel ist die im süddeutschen und österreichischen Raum verbreitete Bezeichnung für die Kartoffel — eines der vielfältigsten Wörter der deutschen Sprache.
Für dieselbe Knolle kennt der deutsche Sprachraum mehr Bezeichnungen als für fast jedes andere Lebensmittel. Die Verteilung folgt keiner Laune, sondern den Wegen, auf denen die Pflanze im 18. Jahrhundert ins Land kam.
Die wichtigsten Namen und ihre Räume:
- Kartoffel — die Standardsprache und der Norden und Osten; abgeleitet vom italienischen *tartufolo*, der Trüffel, wegen der Ähnlichkeit der Knollen
- Erdapfel — Österreich und Südbayern, Lehnübersetzung des französischen *pomme de terre*
- Grundbirne und Grumbeere, Krumbeere, Grumbeer — Pfalz, Saarland, Hessen, Franken; über das Slawische bis ins Ungarische als *krumpli* weitergewandert
- Herdöpfel und Härdöpfel — Schweiz und Alemannisch
- Bramburi — im Egerland und angrenzenden Gebieten; das Wort verweist wörtlich auf Brandenburg, von wo die Knolle kam
Die Einführung verlief zäh. Als Zierpflanze kam die Kartoffel im 16. Jahrhundert nach Europa, als Nahrungsmittel setzte sie sich erst zwei Jahrhunderte später durch — gegen erheblichen Widerstand. Friedrich II. von Preußen erließ ab 1756 mehrere Kartoffelbefehle; die Anekdote vom bewachten Kartoffelfeld, das die Bauern daraufhin für wertvoll hielten und bestahlen, ist gut erfunden, aber historisch nicht belegt. In Österreich förderte Maria Theresia den Anbau nach den Hungerjahren der 1770er-Jahre.
Warum sie sich schließlich durchsetzte, ist schnell erklärt: Sie liefert je Hektar ein Vielfaches der Kalorien von Getreide, wächst auf ärmeren Böden, braucht keine Mühle und keinen Backofen — und sie steht unter der Erde, wo weder Hagel noch durchziehende Heere sie erreichen. Gerade das letzte Argument wog in den Kriegen des 18. Jahrhunderts schwer.
Die Kehrseite zeigte sich, als sich der Anbau auf wenige Sorten stützte: Die Kraut- und Knollenfäule löste ab 1845 die große Hungersnot in Irland aus und traf auch Mitteleuropa schwer. Sie ist bis heute die wichtigste Krankheit im Kartoffelbau, siehe Kraut- und Knollenfäule.
Heute stehen in Deutschland rund 260.000 Hektar Kartoffeln, in Österreich etwa 25.000 — mit deutlichem Schwerpunkt bei Verarbeitungsware für Pommes, Chips und Stärke.