Winterung und Sommerung
Winterungen werden im Herbst gesät, Sommerungen im Frühjahr. Winterungen nutzen die Winterfeuchte und bringen höhere Erträge, Sommerungen haben einen kürzeren Zyklus und ein höheres Trockenheitsrisiko.
Die Kulturen werden nach dem Saatzeitpunkt unterschieden:
Winterungen (Aussaat September bis Oktober):
- Winterweizen — die wichtigste Getreideart Mitteleuropas.
- Wintergerste — früh räumend, gute Vorfrucht für Raps.
- Winterraps — die bedeutendste Ölfrucht.
- Winterroggen — verträgt leichte, trockene Standorte.
- Triticale — Kreuzung aus Weizen und Roggen, robust und anspruchslos.
Vorteile der Winterungen:
- Sie nutzen die Winterfeuchte und liefern dadurch stabilere Erträge.
- Frühere Ernte (Juli) — das schafft Zeit für Zwischenfrüchte.
- 15 bis 30 % höherer Ertrag als die entsprechende Sommerung.
- Bessere Bodenbedeckung über den Winter, was dem GLÖZ-6-Standard entgegenkommt.
Risiken: Auswinterung in schneearmen Kahlfrösten, Schneckenfraß im feuchten Herbst sowie ein höherer Krankheitsdruck durch die lange Vegetationszeit.
Sommerungen (Aussaat März bis Mai):
- Sommergerste — die bevorzugte Braugerste.
- Sommerweizen — Nischenkultur, oft als Ersatz nach Auswinterung.
- Mais — als Körner- und Silomais.
- Sojabohne und Sonnenblume — Sommerölfrüchte mit wachsender Bedeutung.
- Kartoffeln und Zuckerrübe — Hackfrüchte.
- Erbse und Ackerbohne — Körnerleguminosen.
Vorteile der Sommerungen:
- Kurzer Zyklus von drei bis vier Monaten.
- Flexibilität — die Anbauentscheidung fällt erst im Frühjahr, näher am Markt.
- Kein Auswinterungsrisiko.
- Sie brechen den Zyklus von Ungräsern, die auf Winterungen spezialisiert sind — beim Ackerfuchsschwanz ein zentrales Instrument.
Risiken: Frühsommertrockenheit im Mai und Juni kann den Ertrag stark drücken, und die Arbeitsspitzen ballen sich in kurzer Zeit.
In der Praxis überwiegen in Mitteleuropa die Winterungen mit etwa zwei Dritteln der Ackerfläche; der Anteil der Sommerungen steigt dort, wo Resistenzen bei Ungräsern zum Fruchtwechsel zwingen.