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Pflanzenschutz

Herbizide

Auch: herbicides, Unkrautbekämpfungsmittel, Unkrautvernichter

Herbizide sind Mittel gegen Unkräuter und Ungräser. Glyphosat ist der weltweit meistverwendete Wirkstoff. Selektive Herbizide erfassen nur bestimmte Arten, Totalherbizide alles Grüne.

Herbizide — von lateinisch *herba* (Kraut) und *caedere* (töten) — sind Mittel gegen Unkräuter und Ungräser und der größte Teilmarkt im Pflanzenschutz. Ohne sie wären die heutigen Erträge auf großen Flächen nicht zu halten, denn mechanische Regulierung allein stößt bei Arbeitszeit und Witterungsfenstern schnell an Grenzen.

Einteilung nach Selektivität:

Totalherbizide erfassen alle grünen Pflanzen:

  • Glyphosat — siehe Glyphosat (Roundup)
  • Glufosinat — in der EU seit 2018 nicht mehr genehmigt
  • Diquat — seit 2019 nicht mehr genehmigt
  • Paraquat — bereits seit 2007 verboten
  • Pelargonsäure — natürlicher Wirkstoff, nur kontaktwirksam, deutlich teurer

Selektive Herbizide erfassen nur bestimmte Artengruppen:

*Gegen zweikeimblättrige Unkräuter im Getreide*: Wuchsstoffe wie MCPA und 2,4-D, Sulfonylharnstoffe wie Tribenuron und Metsulfuron, Florasulam, Halauxifen

*Gegen Ungräser im Getreide*: Pinoxaden, Mesosulfuron plus Iodosulfuron, Prosulfocarb

*Gegen Ungräser in zweikeimblättrigen Kulturen*: Quizalofop, Fluazifop, Clethodim, Cycloxydim

*Vorauflauf*: Pendimethalin — es braucht Bodenfeuchte, um zu wirken

*Nachauflauf Mais*: Mesotrione, Tembotrione, Nicosulfuron, Dimethenamid-P; Atrazin ist in der EU seit 2007 verboten, in Deutschland sogar schon seit 1991

Wirkungsweisen nach HRAC-Gruppen:

  • Gruppe 1 — ACCase-Hemmer: Ungrasmittel, hoher Resistenzdruck
  • Gruppe 2 — ALS-Hemmer (Sulfonylharnstoffe): weltweit die meisten Resistenzfälle
  • Gruppe 5 — Photosystem-II-Hemmer: Terbuthylazin, Metamitron
  • Gruppe 9 — EPSPS-Hemmer: Glyphosat
  • Gruppe 14 — PPO-Hemmer: Carfentrazone, Pyraflufen-ethyl
  • Gruppe 15 — Zellteilungshemmer: Metazachlor, Dimethenamid-P, Pethoxamid; Flufenacet und S-Metolachlor sind in der EU nicht mehr genehmigt
  • Gruppe 27 — HPPD-Hemmer: Mesotrione, Tembotrione

Die wichtigsten Problemarten in Mitteleuropa:

*Im Getreide*: Acker-Fuchsschwanz (*Alopecurus myosuroides*) — das Leitunkraut schlechthin, mit weit verbreiteter Resistenz gegen ACCase- und ALS-Hemmer; Gemeiner Windhalm (*Apera spica-venti*), ebenfalls zunehmend resistent; Klettenlabkraut (*Galium aparine*); Kamille-Arten; Klatschmohn; Kornblume; Gemeine Quecke (*Elymus repens*)

*Im Mais*: Weißer Gänsefuß (*Chenopodium album*), Melden, Borstenhirsen (*Setaria*), Hühnerhirse (*Echinochloa crus-galli*), zunehmend Ambrosie und Samtpappel

*Im Raps*: Kamille, Klettenlabkraut, Ausfallgetreide, Storchschnabel

*In Zuckerrüben*: Gänsefuß, Melde, Windenknöterich; klassisch über wiederholte Kleinstmengen im Nachauflauf, zunehmend über Hacktechnik mit Kamerasteuerung

Herbizidresistenz — das drängendste Problem:

In Deutschland ist der Acker-Fuchsschwanz der Härtefall: Auf vielen Standorten mit engen Getreidefruchtfolgen und pflugloser Bestellung wirken weder ACCase- noch ALS-Hemmer noch zuverlässig. Weltweit gelten Amaranthus-Arten in den USA und Weidelgras in Australien als Musterbeispiele der Mehrfachresistenz.

Gegenstrategien — chemisch allein nicht lösbar:

  1. Fruchtfolge weiten, Sommerungen und Blattfrüchte einbauen
  2. Saattermin verschieben — späte Saat des Winterweizens senkt den Fuchsschwanzdruck deutlich
  3. Pflug wendend einsetzen, zumindest gelegentlich
  4. Falsches Saatbett zum Auflaufenlassen und Abtöten
  5. Wirkungsweisen wechseln und mischen, volle Aufwandmenge statt Sparlösungen
  6. Mechanische Verfahren — Striegel, Hacke mit Kamerasteuerung, Bandspritzung
  7. Samenernte verhindern — Nester ausreißen, Erntegut trennen

Nichtchemische und neue Verfahren:

  • Striegel und Hacke — im Ökolandbau Standard, im konventionellen Anbau mit RTK-Lenkung und Kamerasteuerung stark im Kommen
  • Bandspritzung mit Hacke — spart bis zu zwei Drittel des Mittels
  • Punktapplikation über Kameraerkennung — Einsparungen von 60 bis 90 % auf Stoppel und in Reihenkulturen
  • Thermische Verfahren und Elektroherbizide — für Sonderfälle

Anwendungstechnik: 100 bis 300 l Wasser je Hektar; Bodenherbizide brauchen gute Verteilung und feuchten Boden, Blattherbizide feine Tropfen und wüchsige Bedingungen. Abstandsauflagen zu Gewässern und die Vorgaben zu abdriftmindernden Düsen sind verbindlich.

Kosten als Richtwert: Getreide 60 bis 130 €/ha für das gesamte Programm, Mais 60 bis 110 €/ha, Zuckerrüben 130 bis 220 €/ha.

Siehe auch Glyphosat (Roundup), Fungizide, Insektizide, Sikkation, Winterung und Sommerung.

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