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Das Imkerjahr: Arbeitskalender Monat für Monat
Ein Bienenvolk verändert sich im Jahresverlauf erheblich — vom Sommerhöhepunkt mit mehreren zehntausend Tieren bis zur Wintertraube, die nur einen Bruchteil davon umfasst. Die Arbeiten des Imkers folgen diesem Zyklus, und ihr richtiger Zeitpunkt entscheidet über die Gesundheit des Volkes ebenso wie über den Honigertrag.
Der Jahreszyklus ist nicht fest an den Kalendermonat gebunden — Witterung und Trachtverlauf des jeweiligen Jahres verschieben ihn deutlich. Orientieren Sie sich deshalb an den phänologischen Bedingungen, nicht allein am Datum.
Winterkontrolle ohne Öffnen
In der Winterruhe wird die Beute nicht geöffnet. Kontrolliert wird durch Abhorchen — ein gesundes Volk antwortet auf leichtes Klopfen mit kurzem Brausen. Auf dem Gemüllschieber unter dem Flugloch lässt sich der natürliche Milbenfall beobachten. Starker Milbenfall, nasser Schieber oder Stille ohne Reaktion sind Warnsignale.
Die brutfreie Winterzeit ist zugleich das ideale Fenster für die Varroabehandlung mit Oxalsäure: In diesem Stadium sitzen alle Milben auf den erwachsenen Bienen und werden erreicht, ohne dass verdeckelte Brut die Wirkung mindert.
Schwarmstimmung — das größte Risiko des Frühjahrs
Bei rascher Frühjahrsentwicklung füllt das Volk den Beutenraum und bereitet sich natürlicherweise auf das Schwärmen vor. Ein abgehender Schwarm bedeutet für den Imker den Verlust eines großen Teils der Sammelleistung des Volkes. Vorbeugend hilft rechtzeitiges Erweitern mit einer Zarge, das Kontrollieren der Weiselzellen und bei starken Völkern eine gezielte Teilung oder Ablegerbildung.
Die Grundregel lautet: lieber vorbeugend erweitern, als dem abgeflogenen Schwarm nachsehen.
Übergang von der Sommertracht zur Einwinterung
Der Übergang zwischen Sommertracht, Schleudern und Varroabehandlung ist der intensivste Abschnitt der Imkersaison. Alle drei Schritte müssen unmittelbar aufeinander folgen — geschleudert wird zuerst, die Behandlung schließt so bald wie möglich an, und die Fütterung folgt erst nach Abschluss der Behandlung.
Das Vorgehen bei der Varroabehandlung und bei der Einwinterung ist in eigenen Leitfäden beschrieben.
Ablauf Schritt für Schritt
- 1
Winterruhe (Dezember–Februar)
Das Volk sitzt in der Wintertraube, der Imker öffnet nicht. Kontrolliert wird durch Abhorchen (leichtes Klopfen an die Beutenwand) und über den Gemüllschieber. Ausrüstung vorbereiten und Mittelwände bestellen.
- 2
Vorfrühling und Volksentwicklung (März–April)
Die Königin beginnt zu legen, das Volk wächst. Die erste Durchsicht erfolgt bei Temperaturen über 12 °C — Kontrolle von Brut, Vorräten, Weiselrichtigkeit und Gesundheit. Gegebenenfalls Vorräte ergänzen oder alte Waben tauschen.
- 3
Frühjahrstracht und Schwarmverhinderung (April–Juni)
Haupttracht aus Raps, Obstblüte und Wiesenpflanzen. Das Volk wächst schnell — es droht Schwarmstimmung. Weiselzellen kontrollieren, erweitern, bei Bedarf teilen oder einen Ableger bilden.
- 4
Sommertracht und Schleudern (Juni–August)
Tracht aus Linde, Himbeere, Sonnenblume oder Zwischenfruchtblüten. Geschleudert wird, sobald die Honigwaben zu mindestens zwei Dritteln verdeckelt sind. Anschließend wird der Honig gesiebt und abgefüllt.
- 5
Sommerbehandlung gegen Varroa (Juli–August)
Nach der letzten Schleuderung folgt die Sommerbehandlung mit Ameisensäure. Sie wirkt bei vorhandener Brut, weil die Bienen die verdunstende Säure im Nest verteilen. Vorgehen und Mittel müssen den tierarzneimittelrechtlichen Vorgaben entsprechen.
- 6
Herbstfütterung und Einwinterung (August–Oktober)
Das Volk wird mit Zuckerlösung auf die nötigen Wintervorräte aufgefüttert. Die Fütterung muss rechtzeitig abgeschlossen sein, damit die Bienen das Futter noch einlagern können. Flugloch verengen, Beute schützen und gegen Mäuse sichern.
- 7
Winterruhe und Vorbereitung der neuen Saison (November–Februar)
Das Volk geht wieder in die Winterruhe. Der Imker führt die Winterbehandlung gegen Varroa durch (Oxalsäure — Träufeln oder Sublimation im brutfreien Zustand). Arbeitsplanung und Bestellungen für die kommende Saison.
Häufige Fragen
- Wann wird die Beute im Frühjahr zum ersten Mal geöffnet?
- Sinnvoll ist die erste Durchsicht, sobald die Außentemperatur etwa 12 °C übersteigt, am besten um die Mittagszeit. Früheres Öffnen stört die Wintertraube unnötig.
- Wann wird geschleudert?
- Geschleudert wird, wenn mindestens zwei Drittel der Waben verdeckelt sind — das sichert einen ausreichend niedrigen Wassergehalt und die Lagerfähigkeit. Der genaue Zeitpunkt hängt vom Trachtverlauf ab.
- Warum ist die Reihenfolge Sommertracht → Schleudern → Varroabehandlung wichtig?
- Die Behandlung mit Ameisensäure erfolgt bei vorhandener Brut und muss vor der Einwinterung abgeschlossen sein. Behandelt werden darf nur ein Volk, dessen Honig nicht mehr für den Verkauf bestimmt ist — deshalb wird zuerst geschleudert.