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Krankheiten und Schädlinge · Pflanzenschutz

Weißstängeligkeit (Sclerotinia)

Sclerotinia sclerotiorum

Die Weißstängeligkeit (Weißfäule) ist eine schwerwiegende Pilzkrankheit der Ölfrüchte und Leguminosen mit sehr breitem Wirtskreis. An Stängeln und Wurzelhals bilden sich wässrige, bräunende Läsionen mit weißem, watteartigem Myzel; im Inneren und auf der Oberfläche des Gewebes entstehen harte schwarze Sklerotien. Befallene Pflanzen welken vorzeitig, lagern und trocknen ein; bei Raps und Sonnenblume zählt die Krankheit zu den gefährlichsten. Die Sklerotien überdauern im Boden viele Jahre und sind die Infektionsquelle.

5gefährdete Kulturen

Erreger

Pilz Sclerotinia sclerotiorum (beim Klee S. trifoliorum)

Symptome

Am Stängel, meist auf Höhe der Blattachseln, entsteht eine zunächst wässrige, später ausgebleichte, sich ablösende Läsion; das befallene Gewebe zerfasert und der Stängel bricht. Im Stängelinneren und an seiner Oberfläche finden sich weißes watteartiges Myzel und harte schwarze Sklerotien von Korn- bis Bohnengröße. Oberhalb der Läsion vergilbt die Pflanze vorzeitig, welkt und reift ab; bei Feuchtigkeit ist die Fäule weich, bei Trockenheit trocken und ausgebleicht.

Wirtspflanzen

  • Raps und Sonnenblume
  • Soja und weitere Leguminosen
  • Klee (Sclerotinia trifoliorum)
  • Gemüse (Karotte, Salat, Bohne)

Ausbreitungsbedingungen

Infektionsquelle sind Sklerotien im Boden, aus denen nach Durchfeuchtung kleine Fruchtkörper (Apothecien) wachsen und Ascosporen freisetzen. Diese infizieren die Pflanze am häufigsten über abgefallene Blütenblätter, die sich in den Blattachseln verfangen. Die Infektion fördern feuchte Witterung zur Blüte und ein dichter, üppiger, geschlossener Bestand mit hoher Feuchte in Bodennähe.

Schadwirkung und Bekämpfungsschwelle

Bei Raps und Sonnenblume zählt die Weißstängeligkeit zu den schwerwiegendsten Krankheiten; befallene Pflanzen reifen vorzeitig ab, brechen und fallen aus, sodass die Ertragsverluste bei starkem Druck Zehnerprozente erreichen können. Die Sklerotien verseuchen den Boden zudem dauerhaft und mindern den Wert der Fläche für weitere anfällige Kulturen.

Lebenszyklus und Infektionsquelle

Der Pilz überwintert als Sklerotium im Boden, wo er auch über viele Jahre überdauert. Nach ausreichender Durchfeuchtung wachsen daraus Apothecien mit Ascosporen, die die Infektion zur Blüte des Wirts einleiten. Nach dem Absterben der Pflanze bilden sich im Gewebe neue Sklerotien, die in den Boden zurückgelangen. Kurze Fruchtfolgen mit anfälligen Kulturen reichern das Inokulum an.

Wirkstoffe zum Pflanzenschutz

Beispiele fungizider Wirkstoffe gegen diese Krankheit, keine Empfehlung eines bestimmten Mittels. Ob ein Mittel zugelassen ist und wie es dosiert wird, immer im amtlichen Pflanzenschutzmittelregister prüfen (Deutschland BVL, Österreich BAES, Tschechien ÚKZÚZ). Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen.

  • prothioconazole
  • prothioconazole + fluopyram
  • Coniothyrium minitans

Schutz und Vorbeugung

Entscheidend sind eine ausreichend lange Anbaupause für anfällige Kulturen (Raps, Sonnenblume, Soja, Klee) und die Vermeidung zu dichter, üppiger Bestände. Die Fungizidbehandlung zielt beim Raps auf die Blüte, in der die Infektion über abgefallene Blütenblätter erfolgt. Es hilft auch die biologische Bekämpfung mit Coniothyrium minitans, das die Sklerotien im Boden abbaut. ‼️ Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist national geregelt — prüfen Sie sie in Deutschland beim BVL, in Österreich beim BAES beziehungsweise der AGES.

Gefährdete Kulturen 5

Häufige Fragen

Warum ist die Weißstängeligkeit so schwer zu bekämpfen?

Der Erreger hat einen sehr breiten Wirtskreis und bildet widerstandsfähige Sklerotien, die im Boden viele Jahre überdauern. Kurze Fruchtfolgen mit Raps, Sonnenblume und Leguminosen reichern das Inokulum an, sodass eine einmalige Maßnahme nicht genügt.

Wann greift man beim Raps gegen Sclerotinia ein?

Entscheidend ist die Blütezeit des Rapses, in der der Pilz die Pflanze über abgefallene, in den Blattachseln hängende Blütenblätter infiziert. Das Fungizid wird deshalb von Blühbeginn bis zur Vollblüte ausgebracht, je nach Witterung und Krankheitsdruck.

Wie funktioniert die biologische Bekämpfung?

Ein Präparat mit dem Pilz Coniothyrium minitans wird in den Boden eingearbeitet, wo er die Sklerotien der Weißstängeligkeit parasitiert und abbaut. Das senkt den Inokulumvorrat im Boden; die Wirkung setzt jedoch langsam ein und dient eher als langfristige vorbeugende Maßnahme.

Welche Kulturen sind am stärksten gefährdet?

Am empfindlichsten sind Raps und Sonnenblume, ferner Soja und weitere Leguminosen, Klee und zahlreiche Gemüsearten. Da viele anfällige Kulturen betroffen sind, muss bei der Fruchtfolgeplanung ihr wechselseitiges Risiko berücksichtigt werden.