Weißstängeligkeit
Die Weißstängeligkeit ist die wichtigste Pilzkrankheit des Rapses; sie befällt den Stängel über abgefallene Blütenblätter und lässt ihn vorzeitig absterben.
Erreger ist *Sclerotinia sclerotiorum*, ein Pilz mit außerordentlich breitem Wirtskreis von über 400 Arten — Raps, Sonnenblume, Körnerleguminosen, Kartoffel und viele Gemüsearten. Der Befall zeigt sich als heller, ausgebleichter Stängelabschnitt; im Inneren findet man weißes Myzel und die schwarzen, rattenkotähnlichen Sklerotien, die den Pilz jahrelang überdauern lassen.
Der Infektionsweg ist der Schlüssel zum Verständnis. Die Sklerotien keimen im Boden und bilden becherförmige Apothecien, die Sporen freisetzen. Diese Sporen können den Stängel nicht direkt befallen — sie brauchen zuerst eine Nährstoffbasis. Diese liefern die abgefallenen Blütenblätter, die in den Blattachseln hängen bleiben. Von dort wächst der Pilz in den Stängel ein.
Daraus folgt unmittelbar der Bekämpfungszeitpunkt: die Vollblüte, BBCH 63 bis 67. Später ist es zu spät, früher zu früh. Ob eine Behandlung nötig ist, lässt sich mit dem Petalentest abschätzen, bei dem Blütenblätter bebrütet werden, oder über regionale Prognosemodelle, die Bodentemperatur, Feuchte und Blühverlauf verrechnen. Behandlungswürdig wird es bei feuchter Witterung während der Blüte und dichten Beständen.
Ackerbaulich ist eine weite Fruchtfolge die einzige nachhaltige Antwort — mindestens vier Jahre Anbaupause und keine anfälligen Zwischenglieder wie Sonnenblume oder Körnerleguminosen. Die Sklerotien überdauern bis zu zehn Jahre im Boden. Ergänzend gibt es das biologische Präparat *Coniothyrium minitans*, ein Pilz, der die Sklerotien im Boden parasitiert und dessen Wirkung mit dem Ausbringungszeitpunkt lange vor der Kultur steht und fällt.
Häufige Fragen
Wie erkennt man die Weißstängeligkeit?
An hellen, ausgebleichten Stängelabschnitten mit weißem Myzel und schwarzen Sklerotien im Inneren; befallene Pflanzen reifen vorzeitig ab.
Wann wird gegen Sclerotinia behandelt?
In der Vollblüte des Rapses, BBCH 63 bis 67 — der Pilz dringt über abgefallene Blütenblätter in den Stängel ein.