Blattdürre (Septoria)
Die Blattdürre ist die wichtigste Weizenkrankheit Mitteleuropas — sie kostet unbehandelt 20 bis 50 % Ertrag und hat die Fungizidstrategie im Getreide grundlegend geprägt.
Erreger ist *Zymoseptoria tritici*, früher *Septoria tritici*. Die Blattdürre ist in Deutschland und Österreich die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit im Winterweizen.
Das Schadbild beginnt als blassgrüne, später hellbraune, längliche Flecken zwischen den Blattadern; darin bilden sich die dunklen Pyknidien, die mit bloßem Auge als schwarze Punkte erkennbar sind — sie sind das entscheidende Unterscheidungsmerkmal gegenüber physiologischen Blattflecken und gegenüber DTR.
Der Infektionsverlauf erklärt, warum die Krankheit so schwer zu fassen ist. Die Sporen werden durch Regentropfen von unten nach oben gespritzt — nicht vom Wind getragen. Die Krankheit arbeitet sich also Blattetage für Blattetage nach oben, und zwar nur, wenn es regnet. Entscheidend ist die lange latente Phase: Zwischen Infektion und sichtbarem Fleck liegen je nach Temperatur zwei bis vier Wochen. Wer erst behandelt, wenn er etwas sieht, behandelt eine Infektion, die längst gelaufen ist.
Daraus folgt die gesamte Bekämpfungsstrategie: Sie richtet sich nach Niederschlagsereignissen und Blattetagenentwicklung, nicht nach Symptomen. Die Fahnenblattbehandlung um BBCH 37 bis 39 ist die wichtigste Maßnahme überhaupt, denn Fahnenblatt und darunterliegendes Blatt leisten den größten Teil der Kornfüllung.
Die Resistenzgeschichte ist ein Lehrstück. Zuerst fielen die Strobilurine: Die Mutation G143A hob ihre Wirkung ab 2002/2003 innerhalb weniger Jahre europaweit vollständig auf, siehe Azoxystrobin. Danach ließ die Leistung der Azole schrittweise nach. Als 2019 auch noch Chlorthalonil als letzter breit verfügbarer Multisite-Partner die EU-Genehmigung verlor, verschärfte sich die Lage erheblich. Heute tragen SDHI-Wirkstoffe und das neuere Fenpicoxamid die Bekämpfung, ergänzt durch Folpet als Resistenzbremse.
Vorbeugend wirkt vor allem die Sortenwahl — die Einstufungen des Bundessortenamtes weisen erhebliche Unterschiede aus — sowie eine spätere Saat, die dem Herbstbefall die Zeit nimmt, und eine nicht überzogene Bestandesdichte.