Zuckerrübe
Die Zuckerrübe ist die ertragsstärkste Ackerkultur Mitteleuropas und die einzige heimische Zuckerpflanze — angebaut fast ausschließlich im Vertrag mit der Zuckerfabrik.
Die Zuckerrübe (*Beta vulgaris* ssp. *vulgaris*) steht in Deutschland auf rund 400.000 Hektar, in Österreich auf etwa 35.000. Der Rübenertrag liegt bei 700 bis 850 dt/ha bei einem Zuckergehalt von 17 bis 19 % — je Hektar sind das 12 bis 15 Tonnen Zucker und damit die höchste Energieproduktion aller heimischen Ackerkulturen.
Die Vermarktung ist ein Sonderfall. Rüben werden praktisch ausschließlich im Anbauvertrag mit der Zuckerfabrik erzeugt — in Deutschland vor allem Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen, in Österreich Agrana. Vertragsmenge, Lieferzeitfenster und Preisformel stehen vorher fest. Bezahlt wird nach bereinigtem Zuckergehalt, nicht nach Rübenmasse: Neben dem Zuckergehalt gehen die Melassebildner — Kalium, Natrium und Amino-Stickstoff — abzugswirksam in die Abrechnung ein.
Daraus folgt eine Düngestrategie, die dem übrigen Ackerbau widerspricht: Zu viel Stickstoff senkt den Erlös. Er treibt zwar die Rübenmasse, drückt aber Zuckergehalt und Amino-Stickstoff in die falsche Richtung. Der Bedarf liegt deshalb bei nur 100 bis 150 kg N/ha, in einer einzigen frühen Gabe.
Anbau: Einzelkornsaat ab Mitte März bei 5 bis 8 °C Bodentemperatur, 1,1 bis 1,3 Saateinheiten je Hektar bei 45 oder 50 cm Reihenabstand. Das Saatgut ist pilliert und wird geschält geliefert. Die Ernte läuft als Kampagne von September bis Dezember mit sechsreihigen Selbstfahrern.
Die drei großen aktuellen Probleme:
Vergilbungsviren, übertragen von Blattläusen — seit dem Wegfall der neonikotinoiden Beize das drängendste Thema; siehe Blattläuse an Rüben.
Cercospora-Blattflecken, die bei feucht-warmer Witterung den Blattapparat zerstören und deren Erreger zunehmend Resistenzen gegen Azole und Strobilurine zeigt.
SBR — Syndrome des Basses Richesses, eine von der Schilf-Glasflügelzikade übertragene Bakteriose, die den Zuckergehalt drastisch senkt und sich seit einigen Jahren in Süddeutschland ausbreitet.
Fruchtfolge: mindestens drei bis vier Jahre Anbaupause wegen der Rübenzystennematode; nematodenresistente Zwischenfrüchte sind Standard, siehe Senf. Nach dem Ende der EU-Zuckerquote 2017 steht der europäische Rübenanbau zudem im direkten Wettbewerb mit dem Weltmarkt.