DE

Die Texte auf dieser Website entstehen mit Hilfe künstlicher Intelligenz. So arbeiten wir

Geschichte und historische Begriffe

Dreifelderwirtschaft

Auch: Dreifelderwechsel, Dreizelgenwirtschaft

Die Dreifelderwirtschaft teilte die Ackerflur in Winterung, Sommerung und Brache, die jährlich rotierten. Sie prägte Europa vom 9. bis ins 19. Jahrhundert.

Die Dreifelderwirtschaft ist die mittelalterliche und frühneuzeitliche Anbauordnung, die die ältere Zweifelderwirtschaft ablöste. Sie entstand in karolingischer Zeit und bestimmte den europäischen Ackerbau fast tausend Jahre lang.

Das Prinzip: Die Ackerflur des Dorfes wurde in drei Zelgen oder Gewanne geteilt:

  • Winterung — Roggen oder Weizen, im Herbst gesät
  • Sommerung — Hafer oder Gerste, im Frühjahr gesät
  • Brache — unbestellt, beweidet, mehrfach gepflügt

Jedes Jahr rückte jede Zelge eine Position weiter. Damit standen zwei Drittel der Fläche in Nutzung statt der Hälfte wie zuvor — ein erheblicher Produktivitätssprung, der das Bevölkerungswachstum des Hochmittelalters trug.

Der Flurzwang war die eigentliche Fessel. Jeder Bauer hatte schmale Streifen in allen drei Zelgen verteilt. Weil die Brache gemeinsam beweidet wurde und alle über dieselben Wege fuhren, musste das ganze Dorf zur selben Zeit dasselbe tun: gemeinsam säen, gemeinsam ernten, gemeinsam auftreiben. Einzelne konnten nichts ändern — auch dann nicht, wenn sie es besser gewusst hätten.

Wie es endete, verlief in Deutschland und Österreich unterschiedlich, aber mit demselben Ergebnis:

  • Albrecht Daniel Thaer brachte ab 1800 mit seiner „rationellen Landwirtschaft" die englische Norfolker Fruchtfolge — Klee, Weizen, Rüben, Gerste — in den deutschen Sprachraum und zeigte, dass eine Fruchtfolge mit Futterleguminosen und Hackfrüchten die Brache vollständig ersetzt
  • Die Gemeinheitsteilungen und Separationen ab dem frühen 19. Jahrhundert in Preußen und den deutschen Staaten sowie die Kommassierungen in Österreich lösten Flurzwang und Gemengelage auf und legten den Besitz zu geschlossenen Grundstücken zusammen
  • Die Bauernbefreiung machte den Bauern zum Eigentümer, der über seine Fläche selbst entscheiden konnte, siehe Frondienst und Robot
  • Justus von Liebigs Mineraldüngerlehre ab 1840 und später die Ammoniaksynthese lösten schließlich die Bindung an die tierische Düngung

Was davon geblieben ist: Der Gedanke der Brache ist heute in den nichtproduktiven Ackerflächen der Öko-Regelung 1a wieder da — allerdings aus dem entgegengesetzten Grund. Damals war sie eine Notwendigkeit der Nährstoffversorgung, heute ist sie eine bewusste Leistung für Biodiversität. Siehe Brache.

Im Kartenbild ist die alte Ordnung vielerorts noch sichtbar: Flurnamen wie Oberzelg, Brachzelg oder Winterfeld verweisen unmittelbar auf die drei Zelgen des Dorfes.

← Zurück zum Glossar