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Geschichte und historische Begriffe

Tenne

Auch: Dreschtenne, Dreschboden, Diele

Die Tenne ist die feste Dreschfläche in der Scheune — bis ins 19. Jahrhundert der Mittelpunkt der winterlichen Hofarbeit.

In der Mitte der Scheune lag die Tenne, ein befestigter, ebener Boden zum Dreschen: Hier wurden Korn, Stroh und Spreu voneinander getrennt.

Der Bau folgte überall derselben Logik: gestampfter Lehm, oft mit Kalk oder Ochsenblut gehärtet, seltener Bohlen oder Pflaster; beiderseits die Bansen, in denen die ungedroschenen Garben lagerten; und an beiden Enden ein großes Tor. Die gegenüberliegenden Tore waren kein Zufall — der Durchzug trug beim Worfeln die leichte Spreu fort, während das schwere Korn zu Boden fiel.

Das Dreschen mit dem Flegel war Winterarbeit von November bis März. Ein Drescher schaffte am Tag 50 bis 80 kg Korn. Mehrere Drescher schlugen im Wechsel und in festem Rhythmus — bei vier Männern der sogenannte Vierschlag, dessen Takt in Volksliedern nachklingt. Es war die zuverlässigste Beschäftigung des Winterhalbjahrs und zugleich der Grund, warum ein Hof überhaupt so viele Leute über den Winter halten konnte.

Die Ablösung kam in drei Schritten. Ab dem frühen 19. Jahrhundert übernahm die Göpeldreschmaschine mit 200 bis 500 kg je Stunde, siehe Göpel. Ab etwa 1870 zog die Dampfdreschmaschine mit der Lokomobile von Hof zu Hof und schaffte über eine Tonne je Stunde — gedroschen wurde nun in wenigen Tagen im Hof statt monatelang in der Scheune. Und ab den 1950er-Jahren verlagerte der Mähdrescher den Vorgang endgültig aufs Feld.

Die soziale Folge wird oft übersehen: Mit dem Wegfall der winterlichen Dreschzeit verlor das Landgesinde seine Beschäftigung im Winterhalbjahr. Die Dreschmaschine hat die Landflucht des 19. Jahrhunderts mit angetrieben.

Die Tenne selbst wurde zur Maschinenhalle, zum Lager — oder abgerissen. Erhalten ist das Wort in Flurnamen, im Tennentor der Fachwerkscheune und in der Redensart, etwas werde „auf die Tenne gebracht".

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