Rationsgestaltung
Die Rationsgestaltung stellt die Futtermischung so zusammen, dass sie Bedarf und Aufnahmevermögen des Tieres zugleich trifft.
Die Ration muss zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllen: Sie muss den Bedarf an Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen decken — und sie muss in die Trockenmasseaufnahme passen, die das Tier physisch leisten kann. Genau in diesem Spannungsfeld liegt die eigentliche Aufgabe.
Die Größen, mit denen im deutschsprachigen Raum gerechnet wird: Energie als MJ NEL beim Rind, siehe NEL — Nettoenergie Laktation; Eiweiß als nutzbares Rohprotein nXP mit der ruminalen Stickstoffbilanz RNB als Ausgleichsgröße, siehe PDI — im Dünndarm verdauliches Protein; dazu Strukturwirksamkeit, Stärke und Zucker, Rohfaser sowie Mengen- und Spurenelemente.
Ein Rechenbeispiel macht das Problem greifbar: Eine Kuh mit 40 kg Milch braucht über 160 MJ NEL täglich. Fressen kann sie etwa 23 kg Trockenmasse. Die Ration muss also über 7 MJ NEL je kg TM liefern — mit Grundfutter allein nicht zu erreichen. Also steigt der Kraftfutteranteil, und damit steigt das Risiko einer Pansenazidose. Die Rationsgestaltung im Hochleistungsbereich ist deshalb immer eine Gratwanderung zwischen Energiedichte und Strukturversorgung.
Deshalb wird nach Leistungsgruppen gefüttert: Frischmelker, Hochleistung, Spätlaktation, Trockensteher und Vorbereiter haben grundverschiedene Anforderungen. Eine einzige Ration für alle führt dazu, dass die einen hungern und die anderen verfetten.
Die Grundlage jeder Berechnung ist die Futteranalyse. Silagen schwanken erheblich in Energie, Eiweiß und Trockensubstanz; wer mit Tabellenwerten statt mit eigenen Analysen rechnet, rechnet an der Wirklichkeit vorbei. Berechnet wird mit Rationsprogrammen, kontrolliert wird am Tier — über Milchleistung und Inhaltsstoffe aus der Milchleistungsprüfung, Körperkondition, Kotbeschaffenheit, Wiederkauaktivität und Restfutter.
Rechtlich ist zu beachten, dass die Fütterung unmittelbar in die Stoffstrombilanz nach Düngeverordnung eingeht: Eine an den Bedarf angepasste, nicht überversorgte Ration senkt die Stickstoff- und Phosphorausscheidung messbar und ist damit zugleich ein Instrument des Nährstoffmanagements.