Abkalbung
Die Abkalbung ist der kritischste Moment im Produktionszyklus der Kuh — hier entscheidet sich der Verlauf der gesamten folgenden Laktation.
Die Trächtigkeit dauert beim Rind rund 280 Tage, je nach Rasse zwischen 275 und 290. Die Abkalbung selbst verläuft in drei Phasen: Öffnungsphase mit Unruhe und Absetzen des Beckenbandes, Austreibungsphase mit dem Erscheinen der Fruchtblase und schließlich der Nachgeburtsphase.
Wann eingegriffen werden muss ist die wichtigste praktische Frage. Faustregel: Zeigt sich die Fruchtblase und geht es innerhalb von zwei Stunden nicht voran, ist nachzuschauen. Die normale Lage ist Vorderendlage mit beiden Vorderbeinen voran und dem Kopf darauf; bei Hinterendlage, abgebogenem Kopf oder untergeschlagenen Beinen ist tierärztliche Hilfe nötig. Zu frühes und zu kräftiges Ziehen richtet mehr Schaden an als Geduld.
Die Schwergeburt ist der teuerste Einzelfall in der Milchviehhaltung. Sie erhöht das Risiko für Nachgeburtsverhaltung, Gebärmutterentzündung und verzögerte Wiederbelegung erheblich, und sie kostet Kalb und Kuh Leistung. Die Hauptursachen sind bekannt und weitgehend vermeidbar: Überkonditionierung der Trockensteher, siehe BCS (Body Condition Score), ein zu schwer bemuskelter Bulle bei zu jungen Färsen und ein zu niedriges Erstkalbealter bei zu geringem Gewicht.
Die Trockensteherfütterung ist der wirksamste Hebel: Eine energiearme, strukturreiche Ration in der Trockenphase und gezielte Mineralversorgung in den letzten drei Wochen beugen Milchfieber vor — der Calciummangel unmittelbar nach der Geburt, der Festliegen verursacht und die Immunabwehr schwächt. Anionische Salze oder eine calciumarme Vorbereitungsration sind hier Standard.
Unmittelbar nach der Geburt zählen drei Dinge: Atemwege freimachen und die Atmung kontrollieren, das Kalb von der Mutter trockenlecken lassen oder abtrocknen — und die Kolostrumgabe innerhalb der ersten zwei Stunden, siehe Kolostrum. Der Nabel wird desinfiziert.
Rechtlich ist jede Kalbung binnen sieben Tagen in der Rinderdatenbank zu melden, siehe Ohrmarke; Totgeburten ebenso.