Kolostrum
Kolostrum ist die erste Milch nach der Geburt; sie liefert dem Kalb die Antikörper, ohne die es keine Immunabwehr aufbaut.
Kolostrum ist das Erstgemelk nach der Kalbung — dickflüssig, gelblich und um ein Vielfaches konzentrierter als normale Milch.
Warum es lebenswichtig ist: Beim Rind gelangen wegen des Baus der Plazenta keine Antikörper von der Mutter auf das ungeborene Kalb. Es kommt vollständig ohne Immunabwehr zur Welt. Die einzige Quelle sind die Immunglobuline im Kolostrum.
Das Zeitfenster ist eng und schließt sich unwiderruflich. Die Darmwand des Kalbes kann große Eiweißmoleküle nur in den ersten Stunden unverdaut aufnehmen; die Aufnahmefähigkeit fällt rasch ab und ist nach etwa 24 Stunden praktisch erloschen. Wird sie verpasst, lässt sich das durch nichts nachholen — das Kalb bleibt für Wochen anfällig für Durchfall und Atemwegserkrankungen.
Die Regel lautet daher: vier Liter innerhalb der ersten zwei Stunden, besser noch in der ersten. Trinkt das Kalb nicht selbst genug, wird gedrencht.
Die Qualität schwankt erheblich — und sie lässt sich messen. Mit dem Brix-Refraktometer gilt ein Wert ab 22 % als gut; darunter liegendes Kolostrum sollte nicht als Erstgabe verwendet werden. Ältere Kühe liefern in der Regel besseres Kolostrum als Färsen, weil sie mehr Erreger kennengelernt haben. Gutes Kolostrum lässt sich portionsweise einfrieren und bei 40 °C schonend auftauen — jeder Milchviehbetrieb sollte einen Vorrat vorhalten.
Zur Hygiene: Kolostrum ist ein idealer Nährboden. Es muss sauber gewonnen, sofort gekühlt oder verfüttert werden. Aus Sicht der Seuchenhygiene ist zudem zu beachten, dass Paratuberkulose über Kolostrum übertragen werden kann — Kolostrum von Tieren aus unklaren Beständen gehört nicht ins Kälberprogramm.
Der Erfolg lässt sich überprüfen: Eine Blutprobe des Kalbes im Alter von ein bis sieben Tagen zeigt über den Gesamtprotein- oder Brix-Wert, ob die Antikörperübertragung gelungen ist.