Transitphase
Die Transitphase umfasst die drei Wochen vor und nach der Kalbung — in diesen sechs Wochen entstehen die meisten teuren Probleme der Laktation.
Als Transitphase bezeichnet man die Zeit von etwa drei Wochen vor bis drei Wochen nach der Kalbung. Sie ist die folgenreichste Phase im Jahr der Kuh: Der überwiegende Teil aller Stoffwechsel- und Gesundheitsstörungen einer Laktation nimmt hier seinen Ausgang.
Was in diesen Wochen zusammenfällt, ist eine außergewöhnliche Häufung von Belastungen:
- Die Futteraufnahme sinkt in den letzten Tagen vor der Kalbung um bis zu 30 %, weil der Pansen vom Kalb eingeengt wird
- Unmittelbar nach der Kalbung steigt der Energiebedarf sprunghaft um ein Vielfaches
- Der Calciumbedarf vervielfacht sich mit dem Einsetzen der Milchbildung binnen Stunden
- Die Immunabwehr ist hormonell bedingt herabgesetzt
- Die Pansenzotten müssen sich erst wieder auf die energiereiche Laktationsration umstellen
Daraus entsteht das negative Energiedefizit: Die Kuh mobilisiert Körperfett und verliert an Kondition. Läuft das aus dem Ruder, folgen Ketose, Fettleber, Labmagenverlagerung, Milchfieber, Nachgeburtsverhaltung und Gebärmutterentzündung — und in der Folge eine verzögerte Wiederbelegung.
Was tatsächlich hilft, ist gut belegt und im Kern einfach:
- Kondition beim Trockenstellen steuern — ein BCS von 3,25 bis 3,75, nicht darüber. Eine verfettete Kuh frisst nach der Kalbung schlechter und mobilisiert mehr, siehe BCS (Body Condition Score)
- Vorbereitungsfütterung in den letzten drei Wochen — die Pansenzotten anfüttern und den Calciumstoffwechsel über anionische Salze oder eine calciumarme Ration vorbereiten
- Futteraufnahme maximieren — großzügiger Fressplatz, immer frisches Futter, kein Umgruppieren kurz vor der Kalbung
- Stressarme Haltung — stabile Gruppen, weiche, saubere Liegeflächen, ausreichend Platz
- Konsequente Frischmelkerkontrolle in den ersten zwei Wochen: Temperatur, Pansenfüllung, Kotbeschaffenheit, Ketonkörper und Milchmenge
Betriebe, die die Transitphase im Griff haben, unterscheiden sich von den übrigen weniger in der Spitzenleistung als in der Zahl der Abgänge in den ersten sechzig Tagen — und genau dort liegt der wirtschaftliche Unterschied.