Mastitis
Mastitis ist die Entzündung des Euters, meist bakteriell bedingt. Sie ist das wirtschaftlich bedeutendste Gesundheitsproblem der Milchviehhaltung. Leitgröße ist die Zellzahl: über 200.000/ml subklinisch, über 400.000/ml nicht mehr lieferfähig.
Mastitis — von griechisch *mastos* (Brust) — ist die Entzündung der Milchdrüse. Sie verursacht in der Milchviehhaltung den größten Teil der krankheitsbedingten Verluste, über verworfene Milch, Behandlungskosten, Leistungseinbußen und vorzeitige Abgänge.
Formen: Die klinische Mastitis zeigt sichtbare Veränderungen an Milch oder Euter — Flocken, wässrige Milch, Schwellung, Wärme, gestörtes Allgemeinbefinden. Die subklinische Mastitis ist unsichtbar und fällt nur über die Zellzahl auf; sie macht den weit überwiegenden Teil der Fälle aus und ist deshalb wirtschaftlich der größere Schaden.
Erreger: kuhassoziiert übertragen sich *Staphylococcus aureus* und *Streptococcus agalactiae* beim Melken von Tier zu Tier; umweltassoziiert stammen *E. coli*, *Streptococcus uberis* und *Klebsiella* aus Liegeboxen und Einstreu. Die Unterscheidung entscheidet über die Gegenmaßnahmen: Melkhygiene gegen die einen, Stall- und Liegeflächenhygiene gegen die anderen.
Zellzahlen als Maßstab:
- unter 100.000/ml — eutergesund
- 100.000 bis 200.000/ml — Verdachtsbereich
- über 200.000/ml — subklinische Mastitis
- über 400.000/ml im geometrischen Mittel — die Tankmilch ist nach Verordnung (EG) Nr. 853/2004 nicht mehr verkehrsfähig
Behandlung: Antibiotika werden nach Erregernachweis und Resistenztest eingesetzt, intrazisternal und bei schwerem Verlauf zusätzlich systemisch, ergänzt durch entzündungshemmende Mittel. Wartezeiten für Milch und Fleisch sind einzuhalten und zu dokumentieren.
Wichtige rechtliche Änderung: Seit Inkrafttreten der EU-Tierarzneimittelverordnung (EU) 2019/6 im Jahr 2022 dürfen Antibiotika nicht mehr routinemäßig vorbeugend eingesetzt werden. Das flächendeckende antibiotische Trockenstellen aller Kühe ist damit unzulässig; Standard ist das selektive Trockenstellen — antibiotisch nur bei nachweislich infizierten Vierteln, sonst allein mit einem internen Zitzenversiegler.
Vorbeugung — die wirksamen Hebel:
- Melkhygiene: Vormelken, Zitzenreinigung, ein Tuch je Kuh, Zwischendesinfektion der Melkzeuge, Dippen nach dem Melken
- Melktechnik: jährliche Prüfung, Vakuum und Pulsation korrekt, Zitzengummis rechtzeitig wechseln
- Sauber und trocken liegen — Tiefboxen mit Sand oder Kalkstrohmatratze, häufiges Nachstreuen
- Zucht: Selektion auf niedrige Zellzahl und Eutergesundheit, in Deutschland über den Zuchtwert RZEuterfit
- Fütterung und Trockenstehermanagement — Selen und Vitamin E, ausgeglichene Kondition
Kosten: Für einen klinischen Fall werden je nach Schwere 250 bis 500 € angesetzt; in einer Herde mit 100 Kühen summieren sich Mastitisverluste leicht auf einen fünfstelligen Betrag im Jahr. Konsequentes Management senkt die Neuinfektionsrate um die Hälfte und mehr — kaum eine andere Maßnahme im Milchviehbetrieb hat eine vergleichbare Rendite.
Siehe auch Abkalbung, Melkstand (Bauarten), Milchleistungsprüfung (MLP), TMR — Totale Mischration, BCS (Body Condition Score), Transitphase.