Milchleistungsprüfung (MLP)
Die Milchleistungsprüfung ist die regelmäßige Erfassung von Milchmenge und -inhaltsstoffen jeder einzelnen Kuh. In Deutschland führen sie die Landeskontrollverbände durch, in Österreich der LKV Austria — Grundlage für Zucht, Fütterung und Tiergesundheit.
Die Milchleistungsprüfung ist die systematische Erfassung von Milchmenge und Inhaltsstoffen für jedes einzelne Tier. Sie ist freiwillig, aber die Voraussetzung für Herdbuchzucht und die wichtigste Datenquelle im Milchviehbetrieb.
Träger: In Deutschland führen die Landeskontrollverbände (LKV) der Bundesländer die Prüfung durch, koordiniert im Dachverband DLQ; die Zuchtwertschätzung übernimmt das vit in Verden. In Österreich liegt die Prüfung beim LKV Austria, die Auswertung bei ZuchtData. Die Verfahren richten sich nach den international abgestimmten ICAR-Regeln, was den Vergleich über Ländergrenzen hinweg erst möglich macht.
Ablauf: In der Regel alle vier Wochen wird bei einer Melkzeit — oder nach dem A4-, AT- oder B-Verfahren abwechselnd — die Milchmenge jeder Kuh erfasst und eine Probe gezogen. Die Analyse erfolgt im akkreditierten Labor.
Erfasste Kennzahlen und ihre Zielbereiche beim Holstein:
| Parameter | Orientierung |
|---|---|
| Milchmenge | 25–40 kg/Tag |
| Fett | 3,8–4,2 % |
| Eiweiß | 3,2–3,5 % |
| Zellzahl | unter 200.000/ml |
| Harnstoff | 15–30 mg/100 ml |
| Laktose | 4,7–5,0 % |
Hinzu kommen zunehmend Zusatzparameter aus derselben Probe: Ketosescreening über Aceton und Beta-Hydroxybutyrat, das Fett-Eiweiß-Verhältnis als Indikator für Pansenazidose oder Energiemangel sowie der Trächtigkeitstest aus der Milch.
Was mit den Daten geschieht:
- Zucht — die Leistungen der Töchter bilden die Grundlage der Zuchtwertschätzung; ohne MLP gäbe es keine belastbaren Bullenzuchtwerte
- Tiergesundheit — steigende Zellzahl deutet auf Mastitis, das Fett-Eiweiß-Verhältnis auf Stoffwechselprobleme
- Fütterungscontrolling — der Harnstoffgehalt zeigt an, ob Energie und Rohprotein in der Ration zusammenpassen, siehe TMR — Totale Mischration
- Selektionsentscheidungen — welche Tiere gesext belegt, welche mit Fleischrassen angepaart und welche gemerzt werden
Beteiligung und Kosten: In Deutschland nehmen rund achtzig Prozent der Milchkühe an der MLP teil; die Kosten liegen als Richtwert im niedrigen zweistelligen Eurobereich je Kuh und Jahr und werden in einigen Bundesländern bezuschusst.
Entwicklung: Melkroboter und Inline-Sensoren erfassen Menge, Leitfähigkeit und teils Inhaltsstoffe bei jedem Gemelk. Sie ersetzen die MLP aber nicht — deren Wert liegt gerade in der unabhängigen, standardisierten und labortechnisch abgesicherten Messung, auf der die überbetriebliche Zuchtwertschätzung beruht.
Siehe auch Herdbuch, Mastitis, BCS (Body Condition Score), Abkalbung, Melkstand (Bauarten), Künstliche Besamung.