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Tierhaltung

Brunst

Auch: Rausche, Östrus, Brunsterkennung

Die Brunst ist die Phase der Paarungsbereitschaft; ihre zuverlässige Erkennung ist der Flaschenhals der Herdenfruchtbarkeit.

Der Brunstzyklus des Rindes dauert im Mittel 21 Tage, mit einer Spanne von 18 bis 24. Die eigentliche Brunst — die Duldungsphase — währt nur 6 bis 18 Stunden, bei modernen Hochleistungskühen eher am unteren Rand.

Das sicherste Anzeichen ist der Duldungsreflex: Die Kuh bleibt stehen, wenn eine andere aufspringt. Alle übrigen Zeichen — vermehrte Aktivität, Unruhe, Brüllen, glasiger Schleimfaden, gerötete Scheide, Aufspringen auf andere Tiere, abgeriebene Schwanzwurzel — sind Nebenbrunstzeichen und können auch ohne Ovulation auftreten.

Der richtige Besamungszeitpunkt folgt aus der Physiologie: Die Ovulation erfolgt etwa 24 bis 30 Stunden nach Brunstbeginn, die Eizelle ist nur 6 bis 12 Stunden befruchtungsfähig, und die Spermien brauchen 6 bis 8 Stunden zur Kapazitation. Daraus ergibt sich die klassische Morgen-Abend-Regel: Morgens beobachtete Brunst wird abends besamt, abends beobachtete am nächsten Morgen.

Warum das in der Praxis so schwierig ist: Die Brunstdauer hat sich mit steigender Leistung verkürzt, und ein erheblicher Teil der Brunsten läuft nachts ab. Bei rein visueller Beobachtung werden je nach Betrieb nur 40 bis 60 % der Brunsten erkannt — jede übersehene kostet 21 Tage Zwischenkalbezeit und damit bares Geld.

Die Technik hat das grundlegend verändert. Aktivitätsmesser an Halsband oder Fußband erkennen die brunstbedingte Bewegungszunahme; moderne Sensoren werten zusätzlich Wiederkauzeit und Fressverhalten aus und erreichen Erkennungsraten über 90 %. Bolus- und Ohrsensoren messen zusätzlich die Körpertemperatur. Für die Betriebe, bei denen auch das nicht reicht, gibt es Terminbesamungsprogramme wie Ovsynch, die den Zyklus hormonell synchronisieren und eine Besamung zu festem Termin ohne Brunstbeobachtung erlauben.

Die Kennzahlen, an denen die Herdenfruchtbarkeit gemessen wird, sind die Rastzeit von der Kalbung bis zur ersten Besamung, die Güstzeit bis zur erfolgreichen Besamung, die Zwischenkalbezeit mit einem Zielwert um 380 bis 400 Tage und der Besamungsindex.

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