Futtergerste
Futtergerste ist die wichtigste heimische Futtergetreideart — in Deutschland überwiegend als Wintergerste mit rund 1,3 Mio. ha.
Futtergerste dient der Fütterung von Rindern, Schweinen und Geflügel. In Deutschland dominiert die Wintergerste mit rund 1,3 Mio. Hektar und Erträgen von 70 bis 75 dt/ha; Sommergerste außerhalb des Brausegments ist die Ausnahme.
Ihr großer ackerbaulicher Vorteil ist der Erntetermin. Wintergerste ist die erste Frucht des Jahres, geerntet oft schon Anfang Juli. Daraus folgt eine ganze Kette von Möglichkeiten, die andere Kulturen nicht bieten:
- Sie ist die ideale Vorfrucht für Winterraps, der früh gesät werden muss
- Nach ihr bleibt Zeit für eine Zwischenfrucht mit voller Entwicklung — wichtig für GLÖZ 6 und GLÖZ 7
- Sie entzerrt die Erntespitze und verteilt die Auslastung von Mähdrescher und Trocknung
Anbau: Saat von Mitte September bis Anfang Oktober und damit ein bis zwei Wochen vor Winterweizen, weil Gerste vor Winter kräftig entwickelt sein muss; 280 bis 350 Körner/m². Der Stickstoffbedarf liegt bei 140 bis 180 kg N/ha nach Düngebedarfsermittlung.
Zwei- oder mehrzeilig ist die zentrale Sortenfrage: Mehrzeilige Sorten bringen mehr Ertrag, zweizeilige ein gleichmäßigeres, schwereres Korn. Für die Fütterung zählt der Ertrag, weshalb mehrzeilige Sorten dominieren.
Futterwert: rund 12 % Rohprotein und etwa 8,3 MJ NEL je kg Trockensubstanz. In der Rinderfütterung wird sie gequetscht eingesetzt, beim Schwein geschrotet — auf den richtigen Mahlgrad kommt es dabei an, siehe Schrotmühle. Gegenüber Mais liefert Gerste weniger Energie, dafür mehr Struktur und eine langsamer im Pansen abgebaute Stärke, was das Azidoserisiko senkt.
Krankheiten unterscheiden sich deutlich vom Weizen: Netzflecken, Rhynchosporium, Zwergrost und die in den letzten Jahren stark gewachsene Ramularia, gegen die nach dem Wegfall von Chlorthalonil kaum noch wirksame Mittel zur Verfügung stehen. Hinzu kommt das Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV), übertragen von Blattläusen im Herbst — seit dem Verbot der neonikotinoiden Beize ein ernstes Problem, dem vor allem über späte Saat und tolerante Sorten begegnet wird.