Agroforstwirtschaft
Agroforstwirtschaft kombiniert Gehölze mit Acker- oder Grünlandnutzung auf derselben Fläche — in Deutschland seit 2023 als Öko-Regelung förderfähig.
Agroforstwirtschaft bezeichnet die gezielte Kombination von Gehölzen mit landwirtschaftlicher Nutzung auf derselben Fläche. Die verbreitetste Form ist das Alley Cropping: Baumstreifen von wenigen Metern Breite wechseln sich mit breiten, maschinengerecht bewirtschafteten Ackerstreifen ab. Daneben gibt es silvopastorale Systeme mit Bäumen auf der Weide sowie die traditionellen Streuobstwiesen, die faktisch nichts anderes sind.
Was die Gehölze leisten:
- Windschutz — die wirksamste und am besten belegte Funktion; die Windgeschwindigkeit sinkt im Lee auf ein Vielfaches der Baumhöhe, was Verdunstung und Winderosion deutlich reduziert
- Erosionsschutz quer zum Hang
- Erschließung tieferer Bodenschichten — die Baumwurzeln holen Wasser und Nährstoffe aus Tiefen, die Ackerkulturen nicht erreichen, und geben sie über Laubfall an die Oberfläche zurück
- Beschattung und Kühlung — in der Weidehaltung ein Tierwohlfaktor, der mit zunehmenden Hitzesommern an Gewicht gewinnt
- Biodiversität — Strukturvielfalt für Vögel, Insekten und Niederwild
- Kohlenstoffbindung in Holz und Boden, siehe Carbon Farming
- Zusätzliche Erträge — Wertholz, Energieholz aus Kurzumtrieb, Obst oder Nüsse
Die Kehrseite ist ehrlich zu benennen: Die Gehölze konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe, sodass der Ertrag im unmittelbaren Randbereich sinkt. Der Nutzen entsteht aus der Summe beider Nutzungen und über lange Zeiträume — Agroforst rechnet sich nicht im ersten Jahr.
Rechtlich hat sich in Deutschland Entscheidendes geändert. Lange galt: Wer Bäume pflanzte, riskierte, dass die Fläche als beihilfefähiges Ackerland eingestuft wurde und Direktzahlungen entfielen — ein wirksames Abschreckungsargument. Seit der GAP-Reform 2023 sind Agroforstsysteme ausdrücklich beihilfefähig, und Deutschland fördert sie über die Öko-Regelung 3. Voraussetzung ist ein Nutzungskonzept mit definierten Anforderungen an Streifenbreite, Flächenanteil und Anordnung; die Fläche behält ihren Status als Ackerland oder Dauergrünland.
In Österreich sind Agroforstflächen ebenfalls über den GAP-Strategieplan zugänglich; Streuobstflächen genießen zusätzlich landesrechtlichen Schutz.