Carbon Farming
Carbon Farming bezeichnet Bewirtschaftungsverfahren, die Kohlenstoff im Boden und in Gehölzen binden — seit 2024 mit einem EU-Rechtsrahmen für die Zertifizierung.
Carbon Farming fasst landwirtschaftliche Verfahren zusammen, die der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen und ihn im Boden oder in Gehölzen festlegen oder Emissionen vermeiden: Humusaufbau über Zwischenfrüchte und organische Düngung, reduzierte Bodenbearbeitung, Agroforst, Wiedervernässung von Mooren und der Erhalt von Dauergrünland.
Der Rechtsrahmen ist neu. Die EU hat 2024 die Verordnung über einen Zertifizierungsrahmen für dauerhafte Kohlenstoffentnahmen, Carbon Farming und Kohlenstoffspeicherung in Produkten (CRCF) verabschiedet. Sie schafft erstmals EU-weit einheitliche Kriterien für die Anerkennung von Kohlenstoffentnahmen. Bis dahin waren nur freiwillige, privat betriebene Systeme mit sehr unterschiedlicher Qualität im Markt.
Die vier Kriterien, an denen sich jedes seriöse System messen lassen muss, sind zugleich die Schwachstellen der bisherigen Angebote:
Quantifizierung — die Kohlenstoffbindung muss belastbar messbar sein. Humusveränderungen sind kleine Differenzen zwischen großen Zahlen; sie zuverlässig zu messen verlangt viele Proben, einheitliche Tiefen und lange Zeiträume.
Zusätzlichkeit — honoriert werden darf nur, was ohne die Förderung nicht geschehen wäre. Wer ohnehin Zwischenfrüchte anbaut, erzeugt keine zusätzliche Bindung.
Dauerhaftigkeit — der wunde Punkt. Bodenkohlenstoff ist reversibel: Ein einziger Umbruch kann die Bindung von zwanzig Jahren binnen weniger Jahre wieder freisetzen. Deshalb verlangt die CRCF Überwachung und Vorkehrungen für den Fall der Freisetzung.
Vermeidung von Doppelzählung — dieselbe Tonne darf nicht zugleich in der nationalen Klimabilanz und in einem verkauften Zertifikat stehen.
Für den Betrieb heißt das praktisch: Angebote für Humuszertifikate sind sorgfältig zu prüfen. Zu klären sind Vertragslaufzeit — oft zwanzig Jahre und mehr —, die Folgen bei Flächenverkauf oder Pachtende, wer die Messkosten trägt, und ob Rückzahlungspflichten bestehen, falls der Kohlenstoff wieder freigesetzt wird. Erlöse liegen bislang meist im Bereich weniger Dutzend Euro je Tonne CO₂ und tragen einen Betriebszweig nicht allein.
Der ehrlichste Zugang ist deshalb, die Maßnahmen zuerst wegen ihres ackerbaulichen Nutzens zu machen — Wasserhaltefähigkeit, Erosionsschutz, Bodenleben — und den Zertifikatserlös als Zubrot zu betrachten, nicht als Geschäftsmodell.