Organische Bodensubstanz
Die organische Bodensubstanz (Humus) ist abgestorbenes pflanzliches und tierisches Material im Boden. Der wichtigste Kennwert der Bodenfruchtbarkeit — sie hält Wasser und Nährstoffe und stabilisiert das Gefüge.
Die organische Bodensubstanz (OBS, umgangssprachlich Humus) umfasst alle abgestorbenen und teilweise umgesetzten Reste von Pflanzen, Wurzeln, Bodenorganismen und Tieren. Gemessen wird sie als Humusgehalt in Prozent der Trockenmasse des Oberbodens.
Typische Gehalte:
- Ackerland in Mitteleuropa: 1,5 bis 3 % — im Zuge der Intensivierung von früher 3 bis 4 % gesunken.
- Dauergrünland: 4 bis 8 %, wegen der ständigen Durchwurzelung und fehlenden Bodenbearbeitung.
- Waldboden: 8 bis 15 %.
- Schwarzerde (Magdeburger Börde, Marchfeld): 3 bis 4 % — die besten Ackerböden der Region.
- Moorböden: über 15 %, hier ist der Erhalt eine Klimafrage.
Die Funktionen:
- Wasserspeicherung — jedes Prozent OBS speichert grob 15 Liter Wasser je Quadratmeter zusätzlich.
- Nährstoffvorrat — beim Abbau werden N, P und S nachgeliefert; ein Boden mit 2 % Humus setzt jährlich etwa 30 bis 60 kg N/ha frei.
- Bodengefüge — Humus verkittet die Krümel und macht den Boden bearbeitbar und tragfähig.
- Bodenleben — Nahrungsgrundlage für Bakterien, Pilze und Regenwürmer.
- Kohlenstoffspeicherung — ein Prozentpunkt mehr Humus in 30 cm Krume bindet rund 30 t Kohlenstoff je Hektar.
Humusaufbau gelingt über eingearbeitete Zwischenfrüchte, Stallmist (25 bis 40 t/ha im Abstand von drei bis vier Jahren), Kompost, reduzierte Bodenbearbeitung und den zeitweiligen Anbau von Feldgras. Humusabbau fördern dagegen intensive Bodenbearbeitung, enge Fruchtfolgen mit hoher Abfuhr und Erosion.
‼️ Humusaufbau ist langsam: 0,1 Prozentpunkte in fünf bis zehn Jahren gelten schon als guter Erfolg. Verloren geht Humus dagegen binnen weniger Jahre — der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Tempo des Abbaus.