Triticale
Triticale ist die gezüchtete Kreuzung aus Weizen und Roggen — sie vereint den Ertrag des Weizens mit der Anspruchslosigkeit des Roggens.
Triticale (*× Triticosecale*) ist die erste vom Menschen geschaffene Getreideart überhaupt — eine Kreuzung aus Weizen (*Triticum*) und Roggen (*Secale*), deren Chromosomensatz durch Verdopplung fruchtbar gemacht wurde. Der Name setzt sich aus beiden Gattungsnamen zusammen.
Geschichte: Der erste Bastard wurde 1875 in Schottland beschrieben, blieb aber steril. Erst mit der Colchicin-Behandlung in den 1930er-Jahren entstanden fruchtbare Linien; das mexikanische Zuchtzentrum CIMMYT machte daraus ab den 1960er-Jahren eine praxistaugliche Kultur. Heute stehen weltweit rund 15 Mio. Hektar — Polen ist mit Abstand größter Erzeuger, Deutschland folgt mit etwa 300.000 Hektar.
Was die Kreuzung leistet, ist genau das, was von den Eltern zu erwarten war: den Ertrag des Weizens bei der Anspruchslosigkeit des Roggens. Triticale liefert auf leichten und sauren Böden 60 bis 80 dt/ha, wo Weizen deutlich abfällt, verträgt niedrige pH-Werte, ist winterhart und braucht mit 100 bis 140 kg N/ha weniger Stickstoff. Auch der Krankheitsdruck ist geringer: Septoria und Mehltau spielen kaum eine Rolle, sodass meist eine Fungizidbehandlung genügt oder ganz entfallen kann.
Verwendung: Der weitaus größte Teil geht ins Futter. Triticale hat einen höheren Lysingehalt als Weizen und ist damit für Schweine und Geflügel ernährungsphysiologisch günstiger. Ein wachsender Anteil geht als Ganzpflanzensilage in Biogasanlagen und in die Rinderfütterung, weil Triticale eine hohe Massenleistung bei früher Erntereife bringt und danach noch eine Zweitfrucht möglich ist.
Für die Backwarenherstellung taugt Triticale dagegen kaum: Der Kleber ist schwach und die Enzymaktivität hoch — die Nachteile beider Eltern statt ihrer Vorteile.
Ein Punkt, den man vom Roggen mitgeerbt hat: Auch Triticale kann von Mutterkorn befallen werden, wenn auch schwächer als Roggen. Bei Futterware ist darauf zu achten, denn die Alkaloide sind auch für Nutztiere schädlich.
Im Ökolandbau ist Triticale wegen der guten Unkrautunterdrückung, der geringen Ansprüche und der Standfestigkeit eine der beliebtesten Getreidearten.