Einstreu
Einstreu ist das Material auf der Liegefläche, das Feuchtigkeit bindet, wärmt und die Gelenke schont — und über den Keimdruck die Eutergesundheit mitbestimmt.
Einstreu erfüllt vier Aufgaben zugleich: Sie bindet Feuchtigkeit aus Kot und Harn, dämmt gegen den kalten Boden, polstert die Liegefläche und schont Gelenke und Sprunggelenke, und sie sorgt für Trittsicherheit.
Die gebräuchlichen Materialien und ihr entscheidender Unterschied:
- Stroh — der Klassiker, gut saugfähig, warm, liefert wertvollen Festmist; verlangt aber viel Arbeit und ist als organisches Material ein guter Nährboden für Bakterien
- Sägespäne und Hobelspäne — sehr saugfähig, sparsam im Verbrauch; Späne aus behandeltem Holz sind unzulässig
- Stroh-Kalk-Matratze — der hohe pH-Wert des gelöschten Kalks hemmt das Bakterienwachstum spürbar
- Sand — der eigentliche Sonderfall: Sand ist anorganisch und bietet Umweltkeimen wie *E. coli*, *Klebsiella* und *Streptococcus uberis* deshalb kaum Nährboden. In Studien zur Eutergesundheit schneidet Tiefsandbox regelmäßig am besten ab. Der Preis dafür sind Verschleiß an Entmistungstechnik und Pumpen und die Unverträglichkeit mit vielen Güllesystemen
- Separierte Gülle (Grünfaser) — betriebseigen und billig, aber als warmes organisches Material hygienisch heikel; verlangt saubere Aufbereitung und tägliches Nachstreuen
- Gummimatten mit dünner Einstreu — arbeitssparend, für die Klauengesundheit aber schlechter als eine echte Matratze
Der Zusammenhang, auf den es ankommt: Die Liegefläche ist die Hauptquelle umweltassoziierter Euterentzündungen. Nicht das Material allein entscheidet, sondern wie trocken und sauber es gehalten wird — zweimal tägliches Abmisten und großzügiges Nachstreuen wirken stärker als die Wahl zwischen zwei Materialien. Siehe Mastitis und Tiefstreu.
Rechtlich verlangen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und die EU-Ökoverordnung eine trockene, weiche Liegefläche; im Ökolandbau muss sie eingestreut sein.
Häufige Fragen
Welche Materialien werden als Einstreu verwendet?
Stroh, Säge- und Hobelspäne, Stroh-Kalk-Matratzen, Sand sowie separierte Gülle.
Warum ist Einstreu wichtig?
Sie bindet Feuchtigkeit, dämmt, polstert die Liegefläche und bestimmt über den Keimdruck maßgeblich die Eutergesundheit mit.