Pollen (Höschen)
Pollen sammeln die Arbeiterinnen an den Staubbeuteln der Blüten, mischen ihn mit Speichel und Nektar, formen ihn zu Höschen und tragen ihn im Körbchen ein — er ist die wichtigste Eiweißquelle des Volkes.
Beim Blütenbesuch bürstet die Arbeiterin den Pollen mit den Beinbürsten zusammen, befeuchtet ihn mit Nektar oder Honig und formt daraus kompakte Höschen in den Körbchen (Corbicula) an den Hinterbeinen. Die Farbe der Höschen verrät die botanische Herkunft — gelb bei Raps, orange bei Mohn und Linde, ziegelrot bei Rosskastanie, weißlich bei Robinie.
Ein starkes Volk trägt täglich 20 bis 50 g Pollen ein; der Jahresbedarf wird auf 15 bis 20 kg je Volk geschätzt. Pollen ist die unersetzliche Eiweißquelle für die Brutpflege und die Erzeugung von Gelée royale — Pollenmangel im Frühjahr oder Spätsommer schwächt vor allem die Entwicklung der Winterbienen.
Geerntet wird mit einer Pollenfalle am Flugloch, die die Höschen beim Einlaufen abstreift. Der Pollen muss sofort bei höchstens 40 °C getrocknet oder eingefroren und dicht verschlossen gelagert werden. Verkauft wird er als Nahrungsergänzungsmittel.
Die Pollenanalyse — Melissopalynologie — erlaubt es, die botanische und geografische Herkunft von Honig und Propolis zu bestimmen. Sie ist das entscheidende Werkzeug bei der Prüfung von Sortenhonigen und beim Nachweis von Verfälschungen.