Mähdrescherfahrer
Der Mähdrescherfahrer führt den Mähdrescher durch die Ernte — die sichtbarste und anspruchsvollste Saisonarbeit auf dem Betrieb.
Der Mähdrescherfahrer bedient die Erntemaschine während der wenigen Wochen, in denen sich der Jahresertrag entscheidet. Formal firmiert die Tätigkeit als Fachkraft Agrarservice oder Landmaschinenführer; im Sprachgebrauch heißt er schlicht Drescher.
Der Arbeitsrhythmus ist extrem ungleich verteilt. In der Ernte von Juli bis September sind zwölf bis sechzehn Stunden täglich über mehrere Wochen die Regel, oft ohne freien Tag; außerhalb der Saison fährt derselbe Mann Schlepper, wartet Maschinen oder arbeitet in der Werkstatt. Bei Lohnunternehmen zieht die Kolonne von Betrieb zu Betrieb, teils quer durch mehrere Bundesländer.
Was den Unterschied macht, sind drei Fähigkeiten, die zusammenkommen müssen:
Die Maschineneinstellung. Trommeldrehzahl, Korbabstand, Windmenge und Siebstellung müssen zur Frucht, zur Reife und zur Tageszeit passen — und im Verlauf eines Tages mehrfach nachgeführt werden. Eine falsche Einstellung kostet entweder Bruchkorn oder Ausdruschverluste, und beides sieht man erst, wenn man aussteigt und nachschaut.
Die Beurteilung des Bestandes. Wann ist das Korn trocken genug, wann steht der Tau noch, wie hoch wird bei Lagergetreide geschnitten, wann lohnt es sich abends noch weiterzufahren. Das Feuchtemessgerät liefert Zahlen, die Entscheidung trifft der Fahrer.
Die Logistik. Der Korntank fasst je nach Maschine 9 bis 16 m³ und ist bei gutem Bestand in zwanzig Minuten voll. Steht kein Überladewagen bereit, steht die Maschine — und eine stehende Maschine ist in der Ernte der teuerste Zustand überhaupt.
Rechtlich ist die Sache klarer geregelt als oft angenommen: Für Überführungsfahrten auf öffentlichen Straßen gilt Führerscheinklasse T beziehungsweise L, für überbreite Maschinen ist eine Ausnahmegenehmigung nötig, und die Schneidwerke müssen für den Transport auf dem Wagen verladen werden. Die Arbeitszeitregelungen kennen für die Erntezeit Ausnahmen, aber keine Aufhebung.
Der Beruf hat ein Nachwuchsproblem. Die Saisonspitzen, die Verantwortung für Maschinen im Wert einer halben Million Euro und die Konkurrenz besser planbarer Arbeitszeiten machen die Suche schwer. Viele Betriebe und Lohnunternehmen arbeiten deshalb mit Saisonkräften aus Ost- und Südosteuropa.