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Bienenvölker einwintern — Schritt für Schritt
Einwintern ist kein einzelner Handgriff, sondern eine Folge von Schritten, die über die Spätsommer- und Herbstmonate aufeinander aufbauen. Jeder ausgelassene Schritt — späte Fütterung, fehlendes Mäusegitter oder zu dichtes Abschließen der Beute — kann sich als Verlust des ganzen Volkes im Winter oder im Frühjahr zeigen.
Ein gut eingewintertes Volk geht mit einer starken Population gesunder Winterbienen, ausreichenden Vorräten und minimalem Varroabefall in den Winter. Alles Weitere hängt am Witterungsverlauf — den beeinflusst der Imker nicht, die Vorbereitung schon.
Die Winterbienen entscheiden über das Überleben
Die Winterpopulation besteht aus den sogenannten Winterbienen — Arbeiterinnen, die im August und September schlüpfen und deren Fettkörper so gut entwickelt ist, dass sie mehrere Monate ohne Flug überdauern können. Je geringer diese Bienen während ihrer Entwicklung durch Varroa belastet sind, desto gesünder und widerstandsfähiger wird die Wintertraube.
Deshalb gehört die Varroabehandlung unmittelbar nach der letzten Schleuderung zu den wichtigsten Arbeiten des ganzen Jahres.
Beobachtung im Winterverlauf
An warmen Wintertagen können die Bienen einen Reinigungsflug machen. Er dient der Darmentleerung und ist ein normales Verhalten, sobald die Temperaturen in der Sonne etwa 10 °C übersteigen. Der Imker nutzt solche Tage für die Sichtkontrolle am Flugloch und für die Winterbehandlung mit Oxalsäure, falls sie noch aussteht.
Den inneren Zustand verrät das Abhorchen ohne Öffnen — ein gesundes Wintervolk antwortet auf leichtes Klopfen an die Wand mit kurzem Brausen. Stille kann den Verlust des Volkes bedeuten; ein anhaltend lautes, aufgeregtes Brausen deutet auf eine Störung hin.
Einen ausführlichen Überblick über das gesamte Imkerjahr mit Arbeitskalender finden Sie im anschließenden Leitfaden.
Ablauf Schritt für Schritt
- 1
Vorräte prüfen
Prüfen Sie am Ende des Sommers oder zu Herbstbeginn das Gesamtgewicht der Beute oder schätzen Sie die Vorräte direkt im Nest ab. Der Bedarf für die Überwinterung liegt im Bereich mehrerer Kilogramm — der genaue Wert hängt von Volksstärke und Winterlänge der Region ab; Richtwerte veröffentlichen die Bieneninstitute und Landesverbände.
- 2
Mit Zuckerlösung auffüttern
Völker mit unzureichenden Vorräten werden mit Zuckerlösung aufgefüttert. Die Fütterung muss früh genug abgeschlossen sein, damit die Bienen das Futter noch einlagern und überschüssiges Wasser austreiben können, bevor es kalt wird — in der Regel bis Ende September. Die genauen Termine hängen vom Klima des Standorts ab.
- 3
Flugloch verengen
Im Herbst wird das Flugloch auf etwa eine Durchgangsbreite verengt — ein weit offenes Flugloch erschwert den Bienen die Verteidigung des Nestes und erhöht die Wärmeverluste im Winter. In den Wintermonaten wird das Flugloch beobachtet und bei Verstopfung durch tote Bienen freigemacht.
- 4
Beute dämmen
Eine Dämmung senkt die Wärmeverluste der Wintertraube und spart Vorräte, die sonst zum Heizen verbraucht würden. Die Dämmung nach oben (Styroporplatte oder Jutegewebe über dem Absperrgitter) wirkt stärker als an den Seitenwänden. Zu dichtes Abschließen ohne Belüftung führt zu Kondenswasser — die Beute muss atmen können.
- 5
Vor Nagern schützen
Mäuse dringen über das Flugloch ein und zerstören im Winter die Waben. Ein Mäusegitter — Metall oder Kunststoff mit Öffnungen, durch die nur eine Biene passt — wird vor dem Winter angebracht und im Frühjahr wieder entfernt. Ohne Gitter ist der Mäuseschaden ein jährlich wiederkehrendes Risiko.
- 6
Winterkontrolle durchführen
Im Winter werden die Völker durch Abhorchen ohne Öffnen kontrolliert. An einem frostfreien, warmen Tag (etwa über 10 °C) lässt sich die erste Frühjahrsdurchsicht durchführen und Vorräte sowie Weiselrichtigkeit prüfen. Im Winter eingegangene Völker werden möglichst rasch vom Stand entfernt, um Krankheitsverbreitung und Räuberei zu vermeiden.
Häufige Fragen
- Wann wird am besten eingewintert?
- Der genaue Termin hängt von Witterung und Region ab. Entscheidend ist, die Fütterung so abzuschließen, dass die Bienen das Futter noch bei wärmeren Nächten einlagern können. In mitteleuropäischen Lagen heißt das in der Regel: Fütterung bis Ende September beenden.
- Wie viel Zucker brauche ich für ein Volk?
- Die Menge richtet sich nach dem vorhandenen Vorrat in der Beute und der Volksstärke. Konkrete Empfehlungen geben der örtliche Imkerverein und die Bieneninstitute — grob geht es um einige Kilogramm Zucker je unterversorgtem Volk.
- Muss die Beute im Winter belüftet werden?
- Ja. Die Bienen in der Wintertraube geben Wasserdampf ab, der abziehen können muss. Eine geschlossene, unbelüftete Beute neigt zu Kondenswasser, das Schimmel und eine Schwächung des Volkes verursachen kann. Ein Gitterboden oder ein kleiner Lüftungsspalt unter dem Deckel sorgen für ausreichende Zirkulation.