Hafer
Hafer ist die anspruchsloseste Getreideart und die beste Gesundungsfrucht der Fruchtfolge — zugleich der Gewinner des Haferdrink-Booms.
Hafer (*Avena sativa*) steht in Deutschland auf rund 150.000 Hektar — nach jahrzehntelangem Rückgang seit einigen Jahren wieder mit steigender Tendenz. Ertragsniveau 45 bis 55 dt/ha.
Ackerbaulich ist er die wertvollste Gesundungsfrucht der Fruchtfolge. Hafer ist kein Wirt für Halmbruch, Schwarzbeinigkeit und Getreidezystennematoden — jene Fußkrankheiten also, die sich in engen Weizen-Gersten-Fruchtfolgen aufbauen. Eine Haferpause senkt den Befallsdruck der Folgekulturen nachweislich; man erntet den Nutzen im Weizen danach.
Hinzu kommt: Er unterdrückt Unkraut sehr gut, verlangt kaum Pflanzenschutz — meist genügt eine Herbizidmaßnahme — und ist deshalb im Ökolandbau eine Schlüsselkultur.
Anbau: früh säen ab Mitte März, sobald der Boden befahrbar ist; 350 bis 450 Körner/m². Der Stickstoffbedarf ist mit 80 bis 120 kg N/ha niedrig — und das ist wörtlich zu nehmen: Hafer wird bei zu viel Stickstoff sehr lang und lagert, wodurch Ertrag und Qualität zusammenbrechen.
Der Markt hat sich grundlegend verschoben. Früher war Hafer vor allem Pferdefutter; heute geht der wertvollste Teil in die Humanernährung — Flocken, Müsli und vor allem Haferdrink, dessen Nachfrage in den letzten Jahren stark gewachsen ist und dessen Ökobilanz gegenüber Mandel- und Sojadrink als Verkaufsargument dient.
Für die Schälmühle gelten allerdings eigene, strenge Kriterien: hoher Schälhaferanteil mit gleichmäßig großen Körnern, Hektolitergewicht möglichst über 52 kg/hl, geringer Besatz und einwandfreie Farbe. Nur eine Partie, die diese Anforderungen erfüllt, erzielt den Aufpreis — der Rest geht ins Futter.
Ernährungsphysiologisch ist der Beta-Glucan-Gehalt der entscheidende Punkt: Für ihn ist eine cholesterolsenkende Wirkung gesundheitsbezogen zugelassen, was den Absatz maßgeblich trägt.