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Kulturen und Rohstoffe

Lein

Auch: Flachs, Linum usitatissimum, Öllein, Faserlein

Lein wird in zwei Nutzungsrichtungen angebaut: als Öllein für Leinsamen und Leinöl und als Faserlein für Textilien.

Lein (*Linum usitatissimum*) gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Europas und wird in zwei klar getrennten Nutzungsrichtungen angebaut.

Öllein liefert Samen mit 38 bis 45 % Öl. Der Ertrag liegt bei 15 bis 22 dt/ha. Das Öl ist außergewöhnlich reich an Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure — Leinöl ist die konzentrierteste pflanzliche Quelle überhaupt. Genau diese Doppelbindungen machen es allerdings sehr oxidationsanfällig: Leinöl wird kalt gepresst, muss kühl und dunkel gelagert und rasch verbraucht werden. Technisch ist dieselbe Eigenschaft ein Vorteil — als trocknendes Öl ist Leinöl Grundstoff für Firnis, Ölfarbe und Linoleum, dessen Name unmittelbar davon stammt.

Faserlein wird dichter gesät und wächst länger und unverzweigter, weil es auf die Stängelfaser ankommt. Er wird nicht gemäht, sondern gerauft, also mitsamt der Wurzel gezogen, damit die Faser über die volle Länge erhalten bleibt. Anschließend folgt die Röste: Der Stängel bleibt auf dem Feld liegen, damit Mikroorganismen die Pektine zersetzen, die Faser und Holzteil verbinden. Erst danach lassen sich die Fasern beim Brechen und Schwingen lösen. Aus ihnen entsteht Leinen.

Ein Hinweis zur Verwechslungsgefahr: Öllein und Faserlein sind derselbe Art, aber unterschiedliche Sortentypen; sie lassen sich nicht gegeneinander austauschen. Und Leinsamen ist etwas anderes als Leindotter (*Camelina sativa*), eine ganz eigene Ölpflanze, die derzeit als Mischkulturpartner an Bedeutung gewinnt.

Anbau: frühe Saat ab März, geringer Stickstoffbedarf von 40 bis 70 kg N/ha, da Lein sonst lagert. Die Jugendentwicklung ist schwach und die Zahl zugelassener Herbizide klein, weshalb Verunkrautung das Hauptrisiko ist. Die Ernte des Ölleins ist wegen der zähen Stängel anspruchsvoll und beansprucht Schneidwerk und Dreschwerk stark.

In Deutschland und Österreich ist Lein heute eine Nischenkultur mit wachsender Nachfrage aus der Naturkost- und Regionalitätsschiene.

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