Prothioconazol
Prothioconazol ist das wichtigste Azol im mitteleuropäischen Getreidebau und der Standard gegen Ährenfusariose.
Prothioconazol gehört zur Gruppe der Azole und hemmt die Ergosterolbiosynthese, also den Aufbau der Pilzzellmembran. Anders als ältere Triazole ist es ein Triazolinthion — chemisch eine eigene Untergruppe, die ihm ein etwas anderes Wirkungs- und Resistenzprofil verschafft.
Warum es im Getreide so zentral ist: Sein Spektrum deckt Septoria, Roste, Halmbruch, Netzflecken und Rhynchosporium ab, im Raps zusätzlich Phoma und Sclerotinia. Vor allem aber ist es zusammen mit Metconazol der Standard gegen Ährenfusariose, und diese Anwendung hat eine Bedeutung, die über den Ertrag hinausgeht: Fusarium bildet Mykotoxine, allen voran Deoxynivalenol (DON), für die es in Lebens- und Futtermitteln gesetzliche Höchstgehalte gibt. Eine Partie, die den DON-Grenzwert überschreitet, ist nicht vermarktungsfähig — die Ährenbehandlung ist damit weniger eine Ertrags- als eine Qualitäts- und Verkehrsfähigkeitsfrage.
Der richtige Termin ist eng: Behandelt wird zur Blüte, BBCH 61 bis 65, und zwar innerhalb weniger Tage nach einem infektionsgünstigen Regenereignis. Prognosemodelle der Länderdienste unterstützen die Entscheidung.
Zum Resistenzstatus: Die Empfindlichkeit von Septoria gegenüber Azolen hat über die Jahre nachgelassen, Prothioconazol hält sich aber besser als ältere Vertreter. Es wird deshalb praktisch immer in Mischung mit einem SDHI oder einem Multisite-Partner eingesetzt — solo verschärft es den Selektionsdruck.
Entscheidend bleibt: Die Fusariumbekämpfung ist zu drei Vierteln ackerbaulich. Vorfrucht — Mais ist die kritische —, Bodenbearbeitung mit Zerkleinerung der Stoppeln und Sortenwahl bestimmen den Ausgangsdruck; das Fungizid korrigiert nur den Rest.
Häufige Fragen
Gegen welche Krankheiten wirkt Prothioconazol?
Gegen Septoria, Roste, Halmbruch, Netzflecken und Rhynchosporium im Getreide sowie Phoma und Sclerotinia im Raps — vor allem aber gegen Ährenfusariose.
Wann wird Prothioconazol angewendet?
Gegen Fusarium zur Blüte in BBCH 61 bis 65, möglichst kurz nach einem infektionsgünstigen Regenereignis.