Warenterminbörse
An der Warenterminbörse werden standardisierte Terminkontrakte auf Rohstoffe gehandelt — der Ort, an dem sich Agrarpreise weltweit bilden.
Eine Warenterminbörse ist ein organisierter Markt für standardisierte Terminkontrakte auf Rohstoffe. Standardisiert heißt: Menge, Qualität, Liefermonat und Lieferort sind festgelegt, sodass jeder Kontrakt mit jedem anderen austauschbar und damit jederzeit handelbar ist. Zwischen Käufer und Verkäufer tritt eine Clearingstelle, die für die Erfüllung einsteht — das Gegenparteirisiko entfällt.
Die für europäische Landwirte maßgeblichen Börsen:
- Euronext Paris, im Handel weiter MATIF genannt — Mahlweizen, Raps, Mais und Braugerste; die Referenz für Europa, siehe MATIF (Euronext Paris)
- CME/CBOT Chicago — Weizen, Mais, Sojabohnen; setzt das globale Preisniveau
- ICE — Zucker, Kaffee, Kakao, Baumwolle
Zwei Gruppen mit gegensätzlichem Interesse machen den Markt: Hedger — Landwirte, Händler, Mühlen — sichern sich gegen Preisänderungen ab und wollen Sicherheit. Spekulanten übernehmen genau dieses Risiko in der Hoffnung auf Gewinn. Ohne sie gäbe es keine Gegenseite für die Absicherung; die verbreitete Vorstellung, Spekulation sei am Terminmarkt ein Fremdkörper, verkennt ihre Funktion.
Nur ein sehr kleiner Teil der Kontrakte wird tatsächlich beliefert. Die meisten werden vor Fälligkeit glattgestellt — der Gewinn oder Verlust an der Börse gleicht die Preisänderung im physischen Geschäft aus. Der Terminmarkt ist ein Preisinstrument, kein Warenlogistiksystem.
Für den einzelnen Betrieb ist der direkte Zugang selten der richtige Weg: Kontraktgrößen von 50 Tonnen, Sicherheitsleistung und Nachschusspflicht passen nicht zu jedem Unternehmen. Der übliche Weg ist der Vorkontrakt (Forward) beim Landhandel — der Händler sichert seinerseits an der Börse ab, sodass derselbe Mechanismus wirkt, nur ohne Margin-Konto.
Häufige Fragen
Was ist eine Warenterminbörse?
Ein organisierter Markt für standardisierte Terminkontrakte auf Rohstoffe, abgesichert über eine Clearingstelle.
Welche Rohstoffe werden dort gehandelt?
Agrarprodukte wie Weizen, Raps, Mais und Zucker sowie Energieträger und Metalle.
Worin unterscheidet sich eine Warenterminbörse von einer Aktienbörse?
Sie handelt Kontrakte auf physische Rohstoffe mit festem Liefermonat, nicht Unternehmensanteile.