NDVI-Index
Der NDVI ist ein Vegetationsindex aus Satellitendaten, berechnet aus dem Verhältnis von rotem und nahinfrarotem Licht. Die Werte reichen von 0 (nackter Boden) bis 1 (dichter, gesunder Bestand).
Unter den Vegetationsindizes der Fernerkundung ist der NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) der bekannteste. Die Formel lautet NDVI = (NIR − ROT) / (NIR + ROT), wobei NIR das nahe Infrarot und ROT den roten Spektralbereich bezeichnet.
Das Prinzip: Gesunde Pflanzen reflektieren nahes Infrarot stark (wegen der Zellstruktur der Blätter) und absorbieren rotes Licht (wegen des Chlorophylls). Nackter Boden oder geschädigte Pflanzen reflektieren beides ähnlich — der Index fällt.
Die Wertebereiche:
- unter 0: Wasser, Schnee, Wolken.
- 0 bis 0,2: nackter Boden, Gestein.
- 0,2 bis 0,4: lückige Vegetation, junger Bestand.
- 0,4 bis 0,6: mittlere Bestandesdichte.
- 0,6 bis 0,8: dichter, gesunder Bestand im Vegetationshöhepunkt.
- über 0,8: sehr dichte Vegetation, Wald.
Anwendung in der Landwirtschaft:
- Applikationskarten für die teilflächenspezifische Düngung — wo der Index niedrig ist, kann gezielt mehr Stickstoff gegeben werden. ‼️ Die Umkehrung ist nicht immer richtig: Ein niedriger Wert kann auch auf Staunässe oder einen flachgründigen Standort hindeuten, wo mehr Dünger nichts bringt.
- Bestandesentwicklung — Vergleich des Wachstums mit dem Erwartungswert.
- Stresserkennung — ein Einbruch mitten in der Vegetationszeit weist auf Trockenheit oder Krankheit hin.
Datenquellen:
- Sentinel-2 (ESA, kostenfrei) — 10 m Auflösung, alle fünf Tage eine Aufnahme. Der Standard in Europa.
- Planet Labs (kostenpflichtig) — 3 m Auflösung, tägliche Aufnahmen.
- Drohnen mit Multispektralkamera — eigene Befliegung mit Auflösungen im Zentimeterbereich.
Zu beachten: Bei sehr dichten Beständen gerät der NDVI in die Sättigung und unterscheidet kaum noch. Dort sind Indizes wie der REIP oder NDRE aussagekräftiger.